Fortsetzung Teil 2

 

Wer für Natur und Tiere etwas tut, ist den Kirchen ein Dorn im Auge
Treibjagd auf friedliche Landwirte

 

„Lebensraum für Natur und Tiere“ - so ist das letzte Kapitel des Buches „Der Steinadler und sein Schwefelgeruch“ überschrieben. Diesen Lebensraum haben friedfertige Landwirte in den letzten Jahren in der Umgebung des gutes Greußenheim im Landkreis Würzburg geschaffen. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet diese friedfertige Idylle seit Drucklegung des Buches (2002) in zunehmendem Maße zum Schwerpunkt der Auseinandersetzung zwischen den Urchristen und ihren in Kirchen und Behörden immer auf der Lauer liegenden Gegnern werden sollte?

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Je mehr Hecken, Bauminseln und Feuchtbiotope auf dem friedvollen Land angelegt wurden, je mehr Schafe und Rinder, oft dem Schlächter vor der Nase weggekauft, dort Weidegründe und Unterschlupf erhielten, desto mehr bewahrheitete sich, was Schiller Wilhelm Tell in den Mund legte.

Kirchlich indoktrinierte Journalisten entfalten beeindruckende Fähigkeiten, wenn es gilt, auch in Deutschlands größtem privaten Biotopverbund (allein 15 Kilometer Hecken, Stand Anfang 2006) ausschließlich Negatives zu entdecken. Wenn urchristliche Naturschützer Hecken anlegen und damit die eintönig flurbereinigte Landschaft in ein Paradies mit kleinteiligen Lebensräumen verwandeln, so sieht die Journaille dort nur „Barrieren“. Auch SAT1 (Live aus Bayern, 2.12.05) mit seinem Moderator Ralf Exel fand dort nur „Überwachungskameras, Zäune, Schranken“ und bezeichnete das Gelände als „Hochsicherheitstrakt mitten im Niemandsland“. Als ob es nicht auf Tausenden von Bauernhöfen - meist von Amts wegen vorgeschrieben! - Zäune um Viehweiden, Schonungen und Obstplantagen gäbe und Schranken zur Beschränkung des Fahrverkehrs.

Petition gegen Zäune

TV-Journalist Exel und seine Mitstreiter hatten diese Formulierungen übrigens wortwörtlich aus einer Petition übernommen, die „220 Menschen“, so die Main-Post (10.11.05) an den Bayerischen Landtag gerichtet hatten, um die Zäune entfernen zu lassen. Denn man fühle sich beim „Naturgenuss“ und bei der „ungestörten Fortbewegung“ eingeschränkt. Merkwürdig nur, dass ungezählte Anwohner das Gebiet tagtäglich - zu Fuß, zu Rad, mit oder ohne Hund - auf durchaus vorhandenen und offenen Wegen durchqueren und es zu ihrem bevorzugten Naherholungsraum erkoren haben. Warum, so könnte man fragen, wollen dann die anderen 220 Anwohner unbedingt überallhin, auch in entlegene Winkel, vordringen? Was führen sie im Schilde?

Der Petition war, wie nicht anders zu erwarten, kein Erfolg beschieden. Die Zäune hatten alle ihre Berechtigung, was wenig später auch das Verwaltungsgericht Würzburg bestätigte (Main-Post, 23.1.06).

Die angebliche „Rodungsaktion“

Ein „Ketzer“ - das war schon im Mittelalter so - kann es den „Rechtgläubigen“ niemals recht machen. Legt er mit großem Arbeitsaufwand Hecken und Feldgehölze an, regen sich die katholischen Nachbarn über die „Barrieren“ auf, die insbesondere den benachbarten schießwütigen Jägern das freie Schussfeld beeinträchtigen. Wird aber einmal eine Hecke aufgelockert, um dort einen Apfel- und Olivenhain anzulegen, dann gibt das auch wieder Anlass zur moralischen Entrüstung. Das mussten die Urchristen im Februar 2004 erfahren: Tilmann T., ein besonders eifriger Schreiberling im Dunstkreis der kirchlichen Inquisition, erregte sich in der Main-Post (19.2.04) über eine „Rodungs-Aktion“, die im Widerspruch stehe zur Bergpredigt, die Urchristen als ihren Maßstab angeben: „Misst man sie an ihren Worten ..., dann müssten sie noch heute taub sein vom Wehgeschrei der Bäumchen, als sie Hand an sie legten“, höhnte T.

Dabei hatte er, wie die Main-Post am darauffolgenden Tag einräumen musste, die Dramatik des Geschehens frei erfunden. In Wirklichkeit wurden die überzähligen Bäume und Sträucher nicht „gerodet“, sondern sorgsam ausgegraben und an anderer Stelle (nämlich in neue Hecken) wieder eingepflanzt.

Keine Ketzerbäume auf katholischem Grund!

Mit solchen Hecken verfahren gläubige Katholiken und Protestanten wie oft genug mit Menschen: Wer nicht zur „Herde“ gehört, hat kein Lebensrecht. Gegen die Hecken, die Urchristen auf ihrem eigenen Grund und Boden pflanzen, kann man (außer Stänkern und Meckern, siehe oben) kaum etwas unternehmen. Aber wehe, man untersteht sich, eine solche „ketzerische“ Hecke oder einen „ketzerischen“ Baum auch nur zehn Zentimeter weit auf katholischen Boden vorzuschieben! Dann greift der katholische Katechismus, in welchem zu lesen steht (Neuner-Roos, „Der Glaube der Kirche“, S. 256), dass die Kirche „mit peinlicher Sorgfalt alles entfernen und ausmerzen“ müsse, „was gegen den Glauben ist“.

Die ersten Pflanzen, die dies erfahren mussten, waren die Pappeln, die von den Landwirten des Gutes Greußenheim als Allee links und rechts der Hofzufahrt gepflanzt wurden. Solche Allen spenden Schatten und erfreuen das Auge - sollte man meinen.

In diesem Falle war jedoch sofort der Greußenheimer Feldgeschworene Rudolf D. zur Stelle, der nach peniblem Nachmessen zu dem Schluss kam, dass „die Bäume zum Teil auf gemeindlichem Grund standen beziehungsweise die Grenzabstände nicht eingehalten wurden“ (Main-Post, 8.1.2003). Er habe das „bei der Gemeinde moniert“. Das Gut Greußenheim bot daraufhin an, die betreffenden Bäume der Gemeinde zu schenken, wenn sie nur stehen bleiben durften. Der Bürgermeister lavierte und kündigte an, dies mit dem Gemeinderat zu „diskutieren“. Als sich die Klärung der Frage jedoch über Monate hinzog, versetzten die Landwirte die Pappeln an einen anderen Ort und stellten Schilder auf, auf denen zu lesen stand:

„Liebe Besucher unseres Biotop-Verbundsystems! An dieser Stelle befand sich eine Allee von jungen Pappeln, die von Naturfreunden aus ganz Europa gestiftet worden waren. Dieser Abschnitt der Allee musste auf Verlangen von Herrn Rudolf D... entfernt werden. Die Bäume schauten zu nahe über einige Quadratmeter Gemeindegrund.“

Nun fühlte sich Herr D. allerdings „öffentlich diffamiert“, und der Bürgermeister forderte die Beseitigung der Schilder - die daraufhin auch vorgenommen wurde.

Eine „ketzerische“ Hecke wird ausgemerzt

Die nächste Provinzposse dieser Art spielte sich zur Abwechslung auf dem Grund der Nachbargemeinde Hettstadt ab: Ende März 2004 forderte der Hettstadter Gemeinderat das Gut Greußenheim auf, ein Stück Hecke zu entfernen und „einen Flurweg wiederherzustellen“.

Was war geschehen? Vor Jahren - lange bevor die Urchristen das Gut Greußenheim übernahmen - hatten die Ortsoberen von Hettstadt und Leinach einen Verbindungsweg zwischen zwei Feldwegen angelegt. Da dieser Weg aufgrund einer scharfen Kurve für landwirtschaftliche Fahrzeuge nur schwer passierbar war, kürzten die ansässigen Landwirte ihn einfach ab. Dadurch entstand im Laufe der Jahre eine veränderte Trasse - die dann, der Einfachheit halber, von der Gemeinde stillschweigend übernommen, hergerichtet und sogar mit einem Verkehrsschild versehen wurde.

Nun kam es, dass die Landwirte von Gut Greußenheim beim Erwerben von Feldern und beim Anlegen von Hecken um diese Felder auch auf besagte Trasse stießen. Nichtsahnend schichteten sie neben dem deutlich sichtbaren Feldweg eine ihrer zahlreichen Hecken auf. Erst jetzt besannen sich einige Hettstadter Gemeinderäte, allen voran Matthias Z., Sohn des Landrats und vormaligen Bürgermeisters Waldemar Z., auf die ursprünglich vorgesehene Trassenvariante, die jetzt, Potzblitz, auf einigen Metern Länge von einer urchristlichen Hecke bedeckt war. Mag der alte Wegverlauf auch unpraktisch gewesen sein: Aber man kann mit seiner Hilfe den Urchristen endlich mal wieder eins auswischen. Und das ist es doch, was einzig zählt!

Den Landwirten des Gutes Greußenheim gelang es, durch Hinweise auf das beginnende Frühjahr, auf brütende Vögel und auf den naturschützerischen Wert einer solchen Hecke die drohende Rodung noch um ein Jahr hinauszuschieben. „Ein Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Würzburg“, so die Main-Post am 26.2.05, „hatte die Hecke zunächst als schützenswert eingestuft, doch der Jurist des Amtes entschied zuletzt anders. Er gab dem öffentlichen Wegenetz Vorrang. Daraufhin ließ die Gemeinde die Arbeiter anrücken“, die dann unter lautstarkem Protest urchristlicher Naturschützer, die Hecke rodeten. Der Chef des erwähnten Juristen ist - Landrat Waldemar Zorn, der seine offenbar unbezähmbare Neigung zur Diskriminierung religiöser Minderheiten (vgl. Steinadler, S. 236 ff.) auch als Landrat unter Beweis stellte: Im September 2003 eröffnete er „als Privatmann“ (Main-Post, 11.9.03) ein Konto „für mittellose und rechtschutzbedürftige Aussteiger“ aus dem Universellen Leben. Wenige Tage zuvor hatte der Verleumdungsbeauftragte des Würzburger Bischofs, Alfred Singer, um Hilfe für „Aussteiger“ gebeten - ganz offensichtlich als Reaktion auf das Erscheinen des Buches „Der Steinadler und sein Schwefelgeruch“.

Doch noch einmal kurz zurück zur gerodeten Hecke: Muss man noch erwähnen, dass die Landwirte des Gutes zuvor angeboten hatten, das Gelände oder einen Teil davon zu erwerben oder zu tauschen? Vergebliche Liebesmüh: Wenn man heutzutage die „Ketzer“ schon nicht ausmerzen kann, so doch - stellvertretend - wenigstens ihre Hecken!

Oder „ihre“ Wildschweine. Hier bahnte sich bereits der nächste Konflikt an, der weitaus größere Wellen schlagen sollte.

Die Jäger greifen an

Neben den Pfarrern und den ihnen hörigen Politikern und Journalisten ist die Entstehung eines friedvollen Landstriches im Herzen Mitteleuropas vor allem einer Berufsgruppe ein Dorn im Auge: den Jägern. Diese schießwütige Minderheit (nicht einmal ein halbes Prozent der deutschen Bevölkerung sind Jäger) ist schließlich zutiefst davon überzeugt, dass sie die „wahren Naturschützer“ sind und dass ohne sie in Wald und Flur umgehend das Chaos in Gottes Schöpfung ausbrechen würde. Sie haben jedoch keinerlei Interesse daran, dies in der Realität überprüfen zu lassen - indem man etwa in bestimmten Gebieten die Jagd dauerhaft einstellt. Wo dies geschehen ist - und es gibt solche Gebiete bereits -, stellt man nämlich fest, dass sich weder bestimmte Tierarten explosionsartig vermehren, noch dass der Wald „aufgefressen“ wird. Es gibt vielmehr Anhaltspunkte dafür, dass es die Jäger selbst sind, die einerseits durch gezieltes Anfüttern („Kirren“) die Bestandszahlen hochtreiben, und die andererseits durch beständigen Jagddruck Steppentiere wie Rehe und Hirsche erst in den Wald hineintreiben (Näheres unter: www.abschaffung-der-jagd.de).

Gerade angrenzend an das Gut Greußenheim ist ein besonders eifriger Vertreter der Grünberockten aktiv: Norbert G. aus Hettstadt. Der im Eigentum der Gemeinde Hettstadt befindliche Tännig-Wald, von G. „betreut“, zeichnet sich durch eine besonders große Dichte an Hochsitzen aus. Für die Bewohner des Gutes Greußenheim ist es ein regelrechter „Schusswald“ - denn das tut Jäger G. besonders eifrig: Schießen. Vor allem nachts sind seine Schüsse zu hören. Ein Klage wegen nächtlicher Ruhestörung wird jedoch im Juli 2003 vom Amtsgericht Würzburg abgewiesen: Man habe das hinzunehmen.

Hinzunehmen hat man offenbar auch, dass immer wieder angeschossene und qualvoll verendete Tiere aufgefunden werden: ein Wildschwein ohne Unterkiefer, ein anderes mit nur drei Beinen, eine trächtige Bache mit Bauchschuss und toten Föten im offenen Bauch, ein Fuchs ohne Beine, ein durch Rattengift verendeter Pfau, der auf dem Hof gelebt hatte ... Oder dass Tierkadaver offenbar als Köder ausgelegt werden. Die Untere Jagdbehörde erteilte den schießwütigen Jägern um G. extra eine Sondergenehmigung, dass auch während der Schonzeit Wildschweine (mit Ausnahme Junge führender Bachen) geschossen werden durften. Zahlreiche Tiere flüchteten angeschossen in das Revier des Hofes, wo sie verendeten. In mindestens einem Fall wurde ein Tier sogar im Hofrevier selbst erschossen und weggebracht - was den Straftatbestand der Wilderei erfüllt.

Für den „Schießer“ G. (er darf nach einem Gerichtsurteil so genannt werden) besteht keinerlei Veranlassung, den Konflikt um seine Jagdausübung von der Frage des „rechten“ oder „unrechten“ Glaubens seiner Gegner zu trennen. Im Gegenteil: Er stellt an der Staatsstraße, die an Hettstadt vorbeiführt, Schilder auf mit der Aufschrift: „Kirche ja - UL-Sekte nein“. Erst als Urchristen ebenfalls Schilder aufstellen, auf denen ein verendeter Fuchs zu sehen ist und die Aufschrift „Für die Kirche - Schreckgespenst Norbert G ...“, werden die Behörden aktiv und verlangen nach langem Hin und Her von beiden Seiten die Entfernung der Schilder. Als G. sich weigert, stellen die Urchristen im August 2004 ein weiteres Schild auf: „Katholischer Tiertöter G... im Tännig-Wald - nein Danke!“ Erst jetzt ist es soweit: Die Schilder kommen weg.

Dies war jedoch nur das Vorspiel zu einer weit größeren Auseinandersetzung. Denn G. hat einflussreiche Freunde. Der Filz zwischen Jagd, Politik und Kirche ist sprichwörtlich ...

Schießbefehl im Friedensreich?

Bereits im Oktober 2002 hatten die Untere Jagdschutzbehörde und das Veterinäramt - beide im Landratsamt Würzburg angesiedelt - eine Drückjagd rings um das Gut Greußenheim angeordnet - wegen angeblich überhöhter Wildschweinbestände. Es konnte jedoch, so die Main-Post (21.10.02) kein einziges Tier erlegt werden.

Zwei Jahre später ließ man sich etwas Neues einfallen. Ein eigens dafür ausgeschickter Hubschrauber machte mit einer Wärmebildkamera angeblich 120 Wildschweine rund um das Gut ausfindig. Unberücksichtigt blieb dabei, dass sich in den Wäldern und Weiden rund um das Gut auch Weidetiere wie Kühe aufhalten, von denen zahlreiche durch den tief fliegenden Hubschrauber erschreckt wurden und in die zu ihren Weiden gehörigen Waldstücke flüchteten. Mit einer Wärmebildkamera kann man Kühe von Wildschweinen kaum unterscheiden. Unberücksichtigt blieb auch, dass in den Nächten vor diesem Hubschraubereinsatz an den Reviergrenzen besonders fleißig geballert wurde: Um die Wildtiere in ein bestimmtes Gebiet zu treiben?

Oswald Rumpel, Leiter der Untern Jagdbehörde im Landratsamt, hatte jedenfalls den erwünschten Anlass konstruiert. Er verlangte Anfang November 2004 von den zuständigen Jagdpächtern des „Eigenjagdreviers“ Gut Greußenheim, jeden Monat 18 Wildschweine abzuschießen. Und bewehrte diesen Bescheid mit der Androhung eines monatlichen Zwangsgeldes von 10 000 Euro bei Zuwiderhandlung.

Die Begründung Rumpels für diese Gewaltmaßnahme war allerdings reichlich dürftig: Es gebe zunehmende Wildschäden durch Wildschweine auf den umliegenden Feldern. Dabei gehören diese Felder fast alle zum Gut Greußenheim selbst, dessen Landwirte sich nie über Wildschäden beschwert hatten. Die Felder anderer Landwirte waren durch Elektrozäune geschützt, sodass auch hier keine Schäden geltend gemacht werden mussten. Zum anderen behauptete die Jagdbehörde, es bestehe Seuchengefahr; die Schweinepest drohe. Dabei konnte in weitem Umkreis davon keine Rede sein. Und Fachleuten ist es längst bekannt, dass derartige Tierseuchen - hierzu gehört übrigens auch die berüchtigte Vogelgrippe - nicht in Wildbeständen, sondern immer in der Massentierhaltung ihren Ausgangspunkt haben.

Wie sehr einige der ansässigen Jäger angesichts friedlicher Urchristen um die Ausübung ihres blutigen Hobbys fürchten, kommt in der Aussage eines Jagdgenossen von G., Helmut B. aus Roßbrunn, zum Ausdruck, der am 18.7.2004 in Anwesenheit eines urchristlichen Ohrenzeugen den Ausspruch tat: „Ich wünsche mir die Schweinepest“. B. gehört zu einer Jägerclique, deren Wortführer der Würzburger Jäger Dr. L.-T. ist. Mit von der Partie ist auch der Präsident des Bayerischen Jagdverbands und CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Jürgen Vocke, der im Jahr 2005 wegen seines raffgierigen Finanzgebarens in die Schlagzeilen geriet. Diese Clique hatte vor Ankunft der urchristlichen Landwirte im Umfeld des Gutes nach Belieben geschaltet und gewaltet. Dies war nun nicht mehr so einfach möglich. Auf dem Spiel standen offenbar auch die zahlreichen Zuschüsse, die L.-T. als Mitglied zahlreicher Kuratorien sich und seinen Jagdgenossen für „förderungswürdige Projekte“ (wie z.B. „Lebensraum Brache“) zuschanzen konnte.

In den Wochen und Monaten vor dem ominösen Hubschrauberflug geschahen im Revier merkwürdige Dinge. Wildschweine wurden massiv angefüttert; anschließend wurden zum Teil die Leittiere abgeschossen und damit die Sozialstruktur der Rotten zerstört. Als ein Teil der Tiere auf das Gebiet des Gutes geflüchtet war, sorgten Jäger durch ständiges Herumballern an den Jagdgrenzen - unter Jägern normalerweise als Grenzpiraterie verpönt - dafür, dass die Tiere blieben, wo sie waren.

Als sich aufgrund des Schießterrors die Verkehrsunfälle mit Wildschäden in der Umgebung häuften, schob dies ein Sprecher der Polizei allerdings dem Gut Greußenheim in die Schuhe, weil dort zuwenig gejagt würde ...

Die Landwirte des Gutes setzten sich gegen diesen Schießbefehl kurz vor Weihnachten publizistisch und juristisch zur Wehr. In Extrablättern („Unter dem Zeichen des Auferstehungskreuzes der Urchristen, das Leben bedeutet, wird nicht geschossen“) klärten sie Bevölkerung der umliegenden Orte über die Hintergründe auf - denn die örtliche Main-Post hatte unter Federführung von Tilmann T. die Desinformation von Jägerseite verbreitet. Vor Gericht klagten sie gegen die angebliche „Eilbedürftigkeit“ des erlassenen Bescheids - denn nur im Rahmen eines „Sofortvollzugs“ konnte die monatliche Einforderung von Zwangsgeldern gerechtfertigt werden. Außerdem beantragten die Landwirte das Ruhen der Jagd in ihrem Eigenjagdrevier.

Das Verwaltungsgericht Würzburg wies in erster Instanz - einen Tag vor Weihnachten! - die Beschwerde gegen den Sofortvollzug zurück - mit der zynischen „Begründung“, der Bestand der Wildtiere werde sich nach den Abschüssen, und seien sie auch unnötig gewesen, schon wieder erholen ...

Kurz nach Weihnachten wurde dann erneut ein Hubschrauber losgeschickt, dessen Pilot mit seiner Wärmebildkamera angeblich über 200 Wildschweine rund um das Gut zählte. Mit einer solchen Kamera kann man jedoch, wie beim ersten Flug auch, Weidetiere nicht von Wildtieren unterscheiden.

Der Januar 2005 brachte dann eine unerwartete Wende - oder zumindest eine Atempause. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hob die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Würzburg wieder auf: Der Sofortvollzug war ausgesetzt. Dem Gericht leuchtete einfach nicht ein, dass eine Eilbedürftigkeit vorhanden sein sollte, wo doch von einem Ausbruch der Schweinepest weit und breit keine Spur zu sehen war. Die Hauptsache erledigte sich daraufhin von selbst, als der Zeitraum, in welchem die Wildschweine hätten abgeschossen werden sollen, verstrichen war.

Kein Jagdzwang auf eigenem Grund!

Um nicht ständig weiteren Angriffen und Intrigen der Jägerlobby ausgesetzt zu sein, hatten die Landwirte ihr zweites Eisen ins Feuer gelegt: Den Antrag auf das Ruhen der Jagd. Besondere Bedeutung erhält dieser Antrag durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte aus dem Jahr 1999, wonach ein Grundstückeigentümer nicht gegen seine Überzeugungen zur Duldung der Jagd auf seinem Grund und Boden gezwungen werden darf. Wer dies für eine Selbstverständlichkeit hält - und zudem davon ausgeht, dass Europäische Recht auch in Deutschland umgesetzt wird -, der kennt die Verfilzung von Behörden, Gerichten und Jägerschaft nicht. Der Antrag wurde in erster Instanz zunächst abgelehnt und ist zur Stunde noch anhängig. Man kann ohne Übertreibung sagen: Es handelt sich um ein Pilotverfahren für das ganze Land.

Im Landratsamt Würzburg legte man jedoch keine nennenswerte Eile bei der Bearbeitung dieses bemerkenswerten Antrags an den Tag. Um so eifriger schmiedete die Würzburger Jägerclique Pläne für einen erneuten Angriff auf die Greußenheimer Wildschweine.

Bezeichnend war wiederum die Wahl des Zeitpunkts, zu dem die dubiosen Waidkameraden ihre Pläne offen legten: Weihnachten wird gemeinhin als „Fest des Friedens“ gesehen, ist jedoch zu einem der größten Schlachtfeste des Jahres verkommen. Wie schon im Jahr zuvor kündigte die Untere Jagdbehörde des Landkreises Würzburg just zur Weihnachtszeit weitere Hubschrauberflüge an, um den „Schwarzwildbestand“ zu ermitteln. Leiter Oswald R. sprach laut Main-Post (29.12.05) von einer „explosionsartigen Vermehrung der Schwarzkittel“; der Bestand müsse „verkleinert“ werden.

Als der Polizeihubschrauber dann am 12. Januar - natürlich unangemeldet - das Gelände erreichte, überflog er den Wald, in dem sich die ach so gefährlichen Wildschweine angeblich aufhielten, nur kurz, um sich dann um so länger über dem eigentlichen Hofgelände aufzuhalten. Die auf den angrenzenden Weiden grasenden Rinder flohen in wilder Panik und rissen einen Zaun nieder. „Ein Einschüchterungsversuch“, urteilte ein Beobachter der Szene, „eine deutliche Drohgebärde nach dem Motto: ‚Euch kriegen wir noch’“.

In einer Sonderausgabe der Zeitschrift Denk mit und handle wiesen die Urchristen darauf hin, dass ein solcher Hubschrauberflug rund tausend Euro kostet - und das in einer Zeit, in der im Erdbebengebiet von Pakistan Hubschrauber fehlen, um hungernde Menschen mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen.

Weiter wiesen sie darauf hin, dass in der Nacht vor dem Flug um das Hofgut herum wiederum verstärkt geschossen wurde - offenbar, um wieder möglichst viele Wildschweine in das Areal zu treiben. Die erhöhten Abschusszahlen in den angrenzenden Wäldern, auf die Rumpel seine Anordnung gründete, seien vor allem durch verstärkte Anfütterung zustande gekommen.

Dem Hubschrauber entstieg übrigens Polizeihauptwachtmeister Albert P. - ebenfalls ein Hobbyjäger, der im Hettstadter Revier von Norbert G. seiner Liebhaberei frönt. Norbert G. übrigens war - im Gegensatz zu den Landwirten des Gutes - offenbar sehr gut über den Zeitpunkt des Fluges informiert. Jedenfalls näherte er sich just zum Zeitpunkt des Fluges dem Hofgut mit seinem Geländewagen ...

Demonstration in Würzburg

Um die Pläne der Waidmanns-Clique offenzulegen und zu durchkreuzen, entschlossen sich die urchristlichen Landwirte zu einem ungewöhnlichen Schritt: Sie riefen die Bevölkerung zu einer Demonstration in der Würzburger Innenstadt auf. Der „Tiermassaker-Bruderschaft“, so eine der Hauptforderungen, müsse das Handwerk gelegt werden. Die Landwirte forderten, einem anderen Landratsamt unterstellt zu werden, solange der katholische Landrat Waldemar Zorn dort die Interessen der Jäger über diejenigen der Allgemeinheit stelle. Außerdem forderten sie erneut das Recht, auf ihrem eigenen Grund und Boden selbst über die Ausübung oder Nichtausübung der Jagd entscheiden zu dürfen.

Die Demonstration am 28. Januar 2006 geriet zu einer eindrucksvollen Kundgebung für das Lebensrecht der Tiere, die dem Menschen anvertraut sind. Über tausend Menschen, darunter auch zahlreiche aus dem Ausland (Österreich, Schweiz, Italien, Slowenien, Kroatien u.a.) zogen durch die Innenstadt mit Transparenten, auf denen die Hauptdrahtzieher benannt und ein Ende des Jagdzwangs gefordert wurde. Bei der Schlusskundgebung auf dem Würzburger Marktplatz wurden zahlreiche Solidaritätsäußerungen von Tierschutzverbänden aus der ganzen Welt verlesen, vor allem aus Lateinamerika, Afrika und Südeuropa.

Munition für Wirrköpfe

Wie wichtig diese internationale Unterstützung ist, zeigte sich nicht nur im Verfahren selbst, in welchem bis zur Stunde das geplante Massaker an den Greußenheimer Wildschweinen verhindert werden konnte. Nur eine wachsame internationale Öffentlichkeit kann auch ein Gegengewicht bilden zu der Kampagne, die in altbewährter Manier friedliebende Menschen zu Außenseitern stempeln soll. Die Politiker, Journalisten und Kirchenvertreter, die eine solche Kampagne lostreten, geben vor, nur „Kritik üben“ zu wollen. Während sie ihre Hände in Unschuld zu waschen versuchen, sind die ersten Auswirkungen der Polemik schon eingetreten.

In jeder Bevölkerung gibt es wirre Köpfe, die nur allzu gern die von den „Saubermännern“ angebotenen Feindbilder aufgreifen, um ihre Neurosen und Psychosen daran auszuleben. Am 20.7.2002 etwa schleichen zwei Gestalten in Tarnhosen, Stiefeln und olivgrünen T-Shirts durch die Greußenheimer Gemarkung. Die herbeigerufene Polizei findet im Auto der beiden „Möchtegern-Rambos“ (so die Main-Post, 14.2.03) unter anderem Tarnschminke, eine Sturmhaube und eine funktionstüchtige Pistole. Vor Gericht erzählt einer der jungen Männer später, er habe auf dem Weg von einem Schießstand zum anderen mal eben beim Gut Greußenheim „vorbeigeschaut“, „weil ich im Internet und in der Zeitung gelesen habe, dass der Sicherheitsdienst dieser Glaubensgemeinschaft für sein offensives Vorgehen bekannt ist.“ Als ein Vertreter des Gutes den „Rambo“ nach der mit einer Geldstrafe endenden Verhandlung anspricht, erklärt dieser geringschätzig: „Wenn ich Ihnen wirklich was hätte tun wollen, dann wären Sie heute nicht mehr hier“ (ebenda).

Das ist keineswegs der einzige Zwischenfall dieser Art. Am 21. Dezember 2003 werden auf der Straße, die zum Hofgut führt, ca. 300 je drei Zentimeter lange Nägel gefunden. Im November 2005 wird - kurz nach mehreren abfälligen Artikeln von Tilman T. in der Main-Post - eine Pferdekoppel verwüstet, die Kirchenaussteigern gehört, es wird ein Straßenschild herausgerissen und so auf dem Zufahrtsweg zum Hof platziert, dass ein Unfall hätte passieren können, wäre das Schild nicht rechtzeitig entdeckt worden. Ende Dezember 2005 wird wieder eine Pferdekoppel in der Nähe des Hofguts verwüstet - diesmal zwar keine, die einem Urchristen gehört hätte, doch wer weiß das von den Randalierern, von denen bis zur Stunde keiner ermittelt werden konnte, schon so genau?

Das Kartell mauert

Dass ein Hofgut, auf dem Menschen in Frieden nicht nur miteinander, sondern auch mit Natur und Tieren leben, nicht nur einigen Jägern oder Pfarrern vor Ort ein Dorn im Auge ist, dass hier vielmehr überregionale Kräfte am Werk sind, zeigt ein an das Hofgut angrenzendes Waldgrundstück, das die Landwirte erwerben wollen. Wie im Steinadler (Kap. 3.16, S. 431) bereits berichtet, befindet sich dieses Grundstück im Besitz des Staates, der zunächst auch durchaus bereit war, es zu veräußern - der Staat braucht schließlich Geld. Doch die Zusage wurde plötzlich zurückgezogen, völlig fachfremde Ministerien wurden eingeschaltet, geheime Dossiers über die „Ketzer“ kursierten in den Amtsstuben. Die Landwirte zogen daraufhin nach Berlin vor das Gericht. Das Landgericht Berlin lehnte es jedoch in erster Instanz ab, in der Verweigerung des Finanzministeriums eine Diskriminierung zu sehen. Das Gericht beteiligte sich vielmehr selbst an der Diskriminierung, indem es feststellte, der Staat könne in der Öffentlichkeit sein Ansehen auch dadurch schädigen, dass er mit Leuten wie den Klägern Geschäfte abschließe.

Dass dieses skandalöse Urteil kein einmaliger Ausrutscher war, zeigte sich in der zweiten Instanz: Auch diese wollte keine Willkürhandlung des Staates darin erkennen, dass eine Verkaufszusage aus Glaubensgründen wieder rückgängig gemacht worden war.
(Näheres zu diesem Prozess unter: www.das-weisse-pferd.com/04_01/sind_urchristen_menschen_zweiter_klasse.html)
Doch auch wenn ein Kartell aus Staat, Justiz, Kirche und bestimmten Medien die Aktivitäten der Gabriele-Stiftung zu behindern versucht, die für die Errichtung von Lebensräumen für Natur und Tiere verantwortlich ist - das friedvolle Land wächst dennoch weiter. Es sind private Spender, die von der Atmosphäre dieses „kleinen Paradieses“ begeistert sind und dafür sorgen, dass mehr und mehr Äcker und Wiesen mit Hecken versehen werden, dass mehr und mehr Tiere dort ein friedvolles Zuhause finden.

Zur aktuellen Stand der Entwicklung des Landes für Natur und Tiere:
http://www.gabriele-stiftung.de/cms/de/

 

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