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Fortsetzung Teil 1
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Kirchen bekämpfen Marktstände mit „falschem Gebetbuch“ |
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Wie im Mittelalter bekämpfen die Kirchen auch heute noch Menschen, die ein anderes Gebetbuch haben als sie. Sie werten dabei nicht nur deren Glaubensüberzeugungen als "Irrlehren" ab, sondern versuchen mit Hilfe ihrer modernen Inquisition, solche "Ketzer" auch bei der Ausübung ihres Berufes zu behindern. Denn Ketzer – das weiß man doch aus dem Mittelalter – dürfen grundsätzlich erst mal gar nichts ... Im Buch "Der Steinadler und sein Schwefelgeruch – das neue Mittelalter", herausgegeben im Verlag Das Weiße Pferd, ist auf den letzten Seiten eine "Fortsetzung mit Namen und Fakten" angekündigt. Damit der Leser nicht zu lange auf eine Neuausgabe warten muss, bringen wir diese Fortsetzung vorab im Internet. Im vorliegenden Teil geht es um die Behinderung der beruflichen Tätigkeit Angehöriger einer religiösen Minderheit – in diesem Fall des Universellen Lebens - insbesondere beim Verkauf von Lebensmitteln aus friedfertigem Anbau. Friedfertig heißt: Die Standards des Ökolandbaus werden übererfüllt. Wenn Katholiken oder Protestanten Kohlrabi, Kürbiskernbrötchen oder Weißkohl verkaufen, kümmert das niemanden. Doch wenn Markthändler auftauchen, die keiner Kirche angehören, dann ist plötzlich alles anders. Die Angriffe kirchlicher Verleumdungsbeauftragter gegen Marktstände, die von Menschen betrieben werden, die dem Universellen Leben nahe stehen, traten in den letzten zwanzig Jahren derartig häufig auf, dass in dem Buch "Der Steinadler und sein Schwefelgeruch" diesem Phänomen im Rahmen des Kapitels 3.2 ein eigener Exkurs von 26 Seiten Länge (S.176-202) gewidmet ist. Insgesamt 33 Orte, insbesondere in Süd- und Westdeutschland, werden darin aufgeführt. Doch das Sündenregister der Kirchen ist in Wirklichkeit noch viel länger – denn die Dunkelziffer ist hoch. In vielen Fällen werden Markthändler mit dem „falschen“ Gebetbuch bereits im Vorfeld mit fadenscheinigen Begründungen abgewiesen - oder wieder vom Markt vertrieben, noch ehe sie richtig Fuß fassen konnten. Was soll man z.B. von einem Fall wie dem folgenden halten: Im schwäbischen Bietigheim findet alljährlich im September ein großer "Pferdemarkt" statt. Im Jahr 2002 nahm daran unter anderem ein Stand der Firma "Lebe Gesund!" teil. Diese Firma wurde von Urchristen aufgebaut, um vegetarische Lebensmittel wie Brot, Gemüse und Feinkost herzustellen und anzubieten. Die Glaubensüberzeugung der Verkäufer spielt jedoch – wie bei anderen Marktständen auch – beim Verkaufsgespräch keine Rolle. "Lebe Gesund!" fand auf dem Bietigheimer Pferdemarkt große Zustimmung beim Publikum. Doch als man im Jahr darauf frühmorgens, mit vielen anderen Händlern, wiederum einen der noch freien Plätze erhalten wollte, wurde man abgewiesen. Zwar mussten auch andere Händler an diesem Morgen wieder nach Hause reisen – aber keiner von ihnen hatte verderbliche Ware dabei, keiner hatte im Vorjahr auf dem selben Markt so großen Erfolg gehabt, keiner konnte sagen, dass außer ihm niemand solche Produkte anbietet – nur "Lebe Gesund!" konnte dies mit Fug und Recht von sich sagen. Ein Gespräch über Hintergründe dieser völlig unverständlichen Absage wurde von der verantwortlichen Marktleiterin schroff abgelehnt. Ein Beispiel von vielen ... Was sich da hinter den Kulissen einer Kleinstadt wie Bietigheim im Laufe eines Jahres abgespielt hatte, kann man nur vermuten. Wer hier im Hintergrund meist die Strippen zieht, kann man sehr gut in einer Stadt wie Erlangen beobachten. Dort wagten es die Erlanger Nachrichten (13.12.2003), den örtlichen "Lebe Gesund!"-Stand unter der Überschrift "Bärlauch & Brot zu jeder Jahreszeit“ abzulichten. Daraufhin erschienen prompt fünf Leserbriefe (20.12.2003, 3.1.2004), in denen beanstandet wurde, wie "unreflektiert" dieser Artikel sei und dass "notwendige Nachforschungen" nicht angestellt worden seien. Bei näherem Hinsehen erwies sich: Alle fünf Schreiber stehen in enger Verbindung zur evangelischen Kirche – doch nur einer von ihnen, Pfarrer Michael Fragner aus Reichenberg, gab sich in der Unterschrift als solcher zu erkennen. Pfarrer Holger Forssmann und Pfarrerin Christiane Walter verschwiegen hingegen ihre Funktion und Herkunft. Hinzu kam der evangelische Dekanats-Synodale Klaus Waldmann sowie Stefan Beck, dem man offensichtlich die Funktion zugedacht hatte, als Kirchenmitglied in öffentlicher Stellung (bei der Stadt Erlangen) die Interessen der Kirche zu vertreten: Er zitierte ausführlich aus den gesammelten Verunglimpfungen des evangelischen Verleumdungsbeauftragten in Bayern, Wolfgang Behnk. Immerhin erhielten zwei andere Leserbriefschreiber die Gelegenheit, das böse Spiel aufzudecken (3. und 10.1.2004). Ein Spiel, das sich wenig später in ähnlicher Form in Nürnberg wiederholte. Hier war es die CSU-Fraktion im Nürnberger Stadtrat, die ein Verbot des "Lebe Gesund!"-Marktstandes auf dem Nürnberger Hauptmarkt forderte. Und wer in dieser Fraktion stellte den Antrag? Peter Bielmeier, seines Zeichens lutherischer Pfarrer und für die Dauer seines Stadtratsmandats von der Betreuung einer Pfarrei entbunden. Der eifrige Lutheraner verstieg sich zu der aberwitzigen "Begründung", Nürnberg, als „Stadt der Menschenrechte" könne sich einen solchen Marktstand "nicht erlauben". Als ob sein Antrag nicht gerade ein Indiz dafür wäre, wie gefährdet offenbar die Menschenrechte in einer Stadt wie Nürnberg noch immer sind. Vollends lächerlich wird jedoch der Vorstoß der CSU-Fraktion, wenn man weiß, dass auf dem selben Markt ein Stand des katholischen Klosters Plankstetten steht. Ein Vergleich der beiden Stände lohnt sich: Bei "Lebe Gesund!" arbeiten keineswegs nur Anhänger des Universellen Lebens, sondern Angehörige verschiedenster Nationen und Glaubensrichtungen. In einem Kloster hingegen darf es nur Katholiken geben. Angestellte bei "Lebe Gesund!" erhalten den vollen Arbeitslohn im tariflichen Rahmen und sind voll sozialversichert – im Gegensatz zu den Insassen von Klöstern, die in der Regel nur ein Taschengeld erhalten und geringfügig pauschal versichert sind. Auf dem Klosterstand wurde zudem des öfteren für Gottesdienste und Einkehrtage im Kloster geworben – was ihnen niemand ankreidete, was aber die „christlichen“ Politiker von der CSU dem "Lebe Gesund!"-Stand unterstellten, obwohl es solches dort nicht gibt. Dementsprechend verlief auch das von der CSU angeregte "Prüfungsverfahren" im Sande – denn eine rechtliche Möglichkeit, einem Markthändler wegen seines Gebetbuches die Lizenz zu entziehen, gibt es in unserem Land Gottlob bislang nicht. Aber jeder blamiert sich eben so gut er kann – auch wenn er glaubt, sich damit auch noch politisch profilieren zu können. Dies gilt sinngemäß auch für Zeitungen wie die Rheinpfalz, die in ihrer Ausgabe Neustadt/Weinstraße (1.6.2004) gegen einen Marktstand der Firma "Gut zum Leben" Front machte. Der Journalist Sebastian Böckmann bezeichnete den Stand als "problematischen Anbieter", der den "guten Ruf" der Veranstaltung (einer Winzerkirchweihe) gefährde. Böckmann wörtlich: "Ein guter Ruf ist schnell ruiniert." Er scheint nicht bedacht zu haben, dass dies auch für Journalisten und Zeitungen gilt, die sich ungeprüft Behauptungen der bestallten Ketzerjäger der Großkirchen zu eigen machen. Das gilt auch für die Deutsche Bahn. Erst
lud sie die Firma Lebe Gesund! ein, ihre vorzüglichen vegan-vegetarischen
Produkte (Brot, Bärlauch-Pesto und vieles andere) in verschiedenen Bahnhöfen
Süddeutschlands anzubieten. Doch dann wurden der Firma plötzlich keine
weiteren Genehmigungen erteilt, die bisherigen ausnahmslos gekündigt.
Weshalb? Der zuständige Herr aus der Vorstandsetage der DB Station &
Service AG weigerte sich, mit dem Anwalt der so rüde vor die Tür
Gesetzten auch nur zu sprechen. Aber es war klar: Die Religion war hinter
den Kulissen zum ausschlaggebenden „Argument“ geworden. Wer kein
katholisches oder protestantisches, sondern urchristliches Brot verkaufen
will, der wird auf Betreiben der Kirchen überall hinausgedrängt. Erst
ein Gerichtsverfahren öffnete die Tür wieder: Die Bahn musste zugeben,
dass das mit dem „falschen“ Gebetbuch doch kein so gutes Argument war
... Doch auch seit Jahren fest etablierte Marktstände werden immer wieder öffentlich verleumdet und an den Pranger gestellt. Wie in München, wo im April 2006 plötzlich in Der Bild-Zeitung von einer „dubiosen Sekte“ auf dem Viktualienmarkt die Rede war – mit großer Schlagzeile auf allen verfügbaren Zeitungskästen der Stadt. Die Fäden zog dabei der lutherische Verleumdungsexperte Wolfgang Behnk, der sich in dem Schmäh-Artikel ausführlich befragen ließ. Dass an dem betreffenden Marktstand seit 15 Jahren ohne jegliche behördliche Beanstandung anständige Arbeit geleistet wird, spielte dabei keine Rolle. Wenn die Kirche es will, wird zuwar nicht mehr der Scheiterhaufen, aber die Medienmacht der Bild-Zeitung „angezündet“, um eine missliebige Minderheit regelrecht an den Pranger zu stellen, ganz nach dem in der deutschen Geschichte nicht ganz unbekannten Motto: „Kauft nicht beim Urchristen!“ Besonders ungeniert scheint man mit dem Thema religiöse Minderheiten in Österreich umzugehen. Nach einem Rundgang durch die Gesundheitsmesse in Wels (Oberösterreich) intervenierte eine Messebesucherin, die kurz zuvor eine Diplomarbeit über "Sekten" geschrieben hatte, bei der Redaktion der Welser Rundschau. Die angebliche "Expertin", so die Zeitung (14.11.2002), wolle "aus verständlichen Gründen anonym bleiben". Anonyme Denunzianten kennt man ja bereits aus dem Mittelalter ... Die Welser Rundschau reagierte jedenfalls sofort und forderte, das "Sektenunwesen von der Gesundheitsmesse 'Gesund leben' in Zukunft fernzuhalten und mit einem 'anerkannten Sektenberater' Kontakt aufzunehmen, um 'Gut von Böse' zu unterscheiden und den Besuchern damit den bestmöglichen Schutz zu bieten." Dieser Kommentar von Erik Famler zeigt beispielhaft, was katholische Gehirnwäsche über Jahrhunderte in den Gehirnen vieler Menschen angerichtet hat: Was "gut" und "böse" ist, entscheidet einzig und allein die Kirche – und der brave Katholik ist vor den Anfechtungen von "Ketzern" wirksam zu schützen. Wer dies nicht tut, gerät selbst in den Verdacht der Ketzerei. Dass Österreich eigentlich ein freiheitliches Land sein sollte, in dem verschiedene Religionsgemeinschaften gleichberechtigt nebeneinander leben können, scheint niemanden zu interessieren. Der angegriffene Stand, dies sei noch nachgereicht, war in diesem Fall kein Lebensmittel-Verkaufsstand, sondern ein Buchstand des Verlags "Das Wort". All diese Beispiele zeigen, wie leicht eine unkritische Öffentlichkeit noch immer von den leibhaftigen Vertretern der Intoleranz aus den Großkirchen dazu gebracht werden kann, demokratische Grundsätze augenblicklich über Bord zu werfen, sobald ein Kirchenvertreter mit Amtsautorität dies so will. Solange dieser Einfluss der Kirchen besteht, kann man wohl kaum sagen, dass wir in einem demokratischen Land leben, in dem die Menschenrechte uneingeschränkt geachtet werden.
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