Fortsetzung Teil 3

 

Publizistischer Einsatz für die Tiere
"Menschen, esst uns nicht!"

 

Für die Tiere einzutreten war den Urchristen im Universellen Leben schon immer ein Anliegen. Nach der Jahrtausendwende verstärkten sie ihren publizistischen Einsatz für die Tiere. Mit großen Plakataktionen werben sie für vegetarische Ernährung – und zwar nicht in erster Linie aus gesundheitlichen, sondern aus ethischen Gründen.

„Bitte, bitte, esst uns nicht!“, flehen Tiere von Großplakaten herab, oder es wird festgestellt: „Was Augen hat, essen intelligente Menschen nicht“ – während die Augen von Hühnern, Schweinen oder Rindern den Betrachter direkt anschauen. Zeitweise wird sogar im Fernsehen mit einem Werbe-Spot dafür geworben, auf tierische Nahrung zu verzichten. Man sieht dabei in einer Bildmontage, wie sich lebende Tiere symbolisch in blutige Fleischstücke verwandeln.

Tatsächlich schrieben Tausende von Menschen, darunter auch viele jüngere, an das Universelle Leben, das die meisten dieser Aktionen durchführte, und bekundeten ihre Zu­stimmung. Viele äußerten, dass sie durch die Plakate, Handzettel oder Aufkleber nach­denklich geworden waren und seither kein Fleisch mehr essen.

Um auf das Leid der Tiere aufmerksam zu machen, führen Urchristen regelmäßig Demonstrationen durch mit dem Motto: „Menschen, esst kein Fleisch! Weg mit den Tierghetto-Wärtern! Nieder mit den Schlachthöfen!“ Sie beteiligen sich aber auch an anderen Demonstrationen, die z.B. die Abschaffung der Jagd zum Ziel haben oder den Protest gegen Tierversuche oder gegen sogenannte „Hubertusmessen“, bei denen Pfarrer und Priester die von Jägern erschos­senen Tiere „segnen“.

 Gehören Tiere etwa nicht zur Natur?

 Nun sollte man meinen, dass die Schaffung eines Biotop-Verbundsystems, das als Privat-Initiative (!) in seiner Ausdehnung seinesgleichen suchen dürfte, oder der öffentliche Einsatz für Natur- und Tierschutz in einer Spaß- und Ellbogengesellschaft zumindest als idealistischer Einsatz für das Gemeinwohl respektiert werden. Doch den Kirchen ist offenbar jeglicher Anlauf zu einem Bewusstseinswandel der Bevölkerung ein Dorn im Auge.

An vielen Orten, an denen Plakate auftauchen, melden sich umgehend Kirchenvertreter zu Wort. So z.B. in Münchberg (Oberfranken), wo die Frankenpost (8.6.2006) das Plakat „Ihr Menschen habt uns krank gemacht – jetzt esst ihr unsere Krankheit“ ausgemacht hat. Sogleich wird der lutherische Pfarrer und Religionsinquisitor Bernhard Wolf befragt, der an der Universität Bayreuth auf Kosten des Steuerzahlers seiner inquisitorischen Arbeit nachgehen darf – in einem eigens eingerichteten „Forschungs- und Informationszentrum Neue Religiosität“:

„Was an sich harmlos und idealistisch klingt, ist für Sektenexperten eine ausgeklügelte Strategie. ‚Früher hat das Universelle Leben auf die Ökologie-Problematik gesetzt; seit einiger Zeit ist die Sekte mehr auf den Tierschutz umgestiegen und will auf diesem Weg Mitglieder werben’, sagt Bernhard Wolf.“

Diese „Experten“-Aussage ist in vierfacher Hinsicht skandalös.

Zum einen verschweigt Wolf, wer die Aufklärungsversuche des Universellen Lebens in Hinblick auf die Ökologie-Krise jahrelang mit ausgeklügelter Strategie torpediert hat – nämlich die Kirchen.

Zum zweiten offenbart der Lutheraner den „blinden Fleck“, den seine Kirche mit der Vatikankirche gemeinsam hat: Man tut so, also ob ausgerechnet die Tiere nicht zum großen „Haus“ (griech. oikos) der Ökologie gehören würden. Als ob „Tierschutz“ und „Ökologie“ ganz verschiedene Schubladen wären.

Zum dritten betreibt das Universelle Leben überhaupt keine Mitgliederwerbung. Wer die Veranstal­tun­gen besucht, kann frei kommen und frei gehen.

Zum vierten steckt hinter seiner Aussage eine Abqualifizierung der Urchristen zu Bürgern zweiter oder dritter Klasse. Man stelle sich nur einmal vor, eine Partei, eine Gewerkschaft, eine Kirche würde sich für Tierschutz einsetzen. Würde man dann auch behaupten: „Die machen das doch nur, damit sie neue Mitglieder bekommen!“ So eine Aussage würde kaum jemand ernst nehmen. Weshalb? Weil es in einer Demokratie üblich ist, dass organisierte Verbände, Körperschaften oder Vereine Meinungen zum Tagesgeschehen formulieren und dadurch zur politischen Willensbildung beitragen. Nur die „Ketzer“, die haben dieses Recht nicht. Und warum nicht? Weil sie schon im Mittelalter, ja teilweise bereits in der Antike – siehe das Religionsedikt von Kaiser Theodosius gegen die Nicht-Katholiken von 380 – keine Bürgerrechte hatten. Und weil die Kirchen diese Verurteilung bis heute in das kollektive Bewusstsein eingebrannt haben: Wenn ein „Ketzer“ sich zu irgend etwas äußert, dann führt er auf jeden Fall etwas im Schilde. Er will dich mit seiner Ketzerei anstecken, und dann landet deine Seele in der ewigen Verdammnis, und du gerätst in die Mühle der Inquisition!

Das Mittelalter ist tatsächlich lebendiger, als man glauben möchte!

 Ab ins Ghetto mit den „Ketzern“! 

Eine Gruppe von „Ketzern“ darf sich also nicht als solche zur Tagespolitik äußern, ohne dass man ihr sofort unlautere Motive unterstellt. Die „Ketzer“ dürfen sich auch nirgends beteiligen – denn dann besteht sofort die „Gefahr“, dass sie die Aktionen anderer „unter­wandern“. So beobachtet der lutherische Berliner Religionspolizist Thomas Gandow die Beteiligung von Urchristen an den Anti-Jagd-Demonstrationen jeden ersten Samstag in Berlin mit „Sorge“. Das ARD-Magazin „Polylux“ (21.10.2002) berichtet denn auch (denn einem Pastor darf man ja nicht widersprechen; was würde da der Rundfunkrat sagen?) nicht über die Anliegen und Argumente der Jagdgegner, sondern ausschließlich über die „Bedenken“ der Kirche. Originalton Gandow:

„Ich kann nur jedem Tierschützer, der wirklich etwas erreichen will und der ernst genommen werden will, raten, sich von dieser Kampagne freizumachen, die die Motive und auch Gefühle von Tierschützern nur ausnutzt ...“ 

Gehen wir gedanklich wieder kurz ins Mittelalter. Ein Kirchenvertreter warnt die Bevölkerung: „Macht mit den Ketzern nicht gemeinsame Sache! Lasst euch nicht mit ihnen blicken! Sonst geht es euch schlecht!“ Ein braver Katholik (oder Protestant) ist nicht da, wo sich ein „Ketzer“ aufhält. „Ketzer“ kontaminieren durch ihre Anwesenheit alles.

Im Mittelalter war es tatsächlich so, dass man einem im „Kirchenbann“ befindlichen Häretiker nicht einmal etwas zu essen oder gar Obdach geben durfte, wenn man ihm begegnete. Hier wird also eine Art „Apartheid“ angestrebt, eine möglichst umfassende Ausgrenzung und Abschiebung in ein gesellschaftliches Ghetto, in das man schon in vergangener Zeit andersgläubige Minderheiten einsperrte.

Die Worte klingen heute natürlich etwas anders als damals. Aber die Absicht ist dieselbe. Keiner der Reporter, die diese kirchliche Verleumdungsmasche übernehmen, fragt kritisch nach, ob denn auf den Demonstrationen, die angeblich „unterwandert“ werden, jemals irgend jemand religiöse Missionierungsversuche gemacht hat. Denn darauf kommt es ja aus kirchlicher Sicht auch gar nicht an.

 Umweltschützer oder Kirchenfunktionär?

 Es kommt darauf an, die Kreise der religiösen Minderheit zu stören, wo immer sie auftritt: Schlagt sie, wo ihr sie trefft, so lautet die Parole. Und auf eine Einsatztruppe können die Kirchen dabei immer setzen: auf den Bayerischen Rundfunk. Am 13.1.2003 ist es Hart­mut Stumpf, der in der Sendung „Unkraut“ zum Angriff auf die Urchristen bläst. Schon seine Anmoderation hat eine schwere kirchliche Schlagseite:

„Es ist die Sehnsucht nach Frieden und Harmonie, die die Menschen in die Natur zieht – ein Bedürfnis, das viele auch im Alltag verspüren. Und Jahrhunderte lang gaben hier die christlichen Kirchen Orientierung, Lebenshilfe und Heimat.“

Eine klare Geschichtsfälschung! Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Kirchen weder den Frieden mit der Natur noch denjenigen unter den Menschen gefördert haben.

 „... Und trotzdem tun sie sich zunehmend schwer, ihre Mitglieder zu halten. Nicht etwa, weil Religiosität brach liegt, nein: Manche Menschen möchten sie woanders ausleben.“

Man spürt richtig den Schmerz eines kirchlich indoktrinierten Fernsehreporters über die „verlorenen Seelen“.

„Im harmlosesten Fall noch in irgendwelchen esoterischen Kreisen ... Und im schlimmsten Fall bei jenen falschen Propheten, die mit einem Bauchladen der Glücks­gefühle und Heilslehren die Menschen in ihre Abhängigkeit und Unterdrückung bringen wollen.“

In dem auf diese Anmoderation folgenden Beitrag bringt Angela Scheele-Mentner die altbekannte Behauptung, „dass Tierschutz und Ökologie für das ‘UL’ willkommene Themen sind, um neue Anhänger zu ködern.“ Woher diese Behauptung stammt, wird auch gleich klar, denn Pfarrer Behnk kommt zu Wort. Für ihn stehe fest: „Obskure Seelenfänger versuchen immer häufiger, über die Esoterik und Ökoszene Menschen anzulocken.“

 Dann hat Stumpf das letzte Wort. Mit erregter Stimme holt er zum finalen Schlag aus:

„Vom Eso-Schmus zur Psychosekte ist nur ein ganz kurzer Weg. Religion verkommt dort zur bloßen Kulisse. Dahinter steckt eine neue Form von Extremismus: aggressiv, totalitär, extrem gefährlich.“

 Kirche und Fleisch-Lobby: gemeinsam gegen Vegetarier

 Man muss es sich nochmals bewusst machen: Da wird gegen Menschen gehetzt, die gegen das Töten sind, die für Natur und Tiere eintreten und ein privates Bio­topverbundsystem angelegt haben.

Doch sie haben eben – und das ist ihre „Todsünde“ – das „falsche“ Gebetbuch. In den Rundfunkgesetzen aller Bundesländer ist klar festgelegt, dass durch die Beiträge der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten keine Minderheiten diskriminiert werden dürfen. Doch Papier ist bekanntlich geduldig. Einklagbar ist diese Vorschrift in unserem „Rechtsstaat“ nicht. Die Urchristen haben das erfahren müssen.

Die „Unkraut“-Sendung wurde etwas ausführlicher zitiert, um beispielhaft zu zeigen, was immer wieder über die Mattscheibe flimmert. Wen wundert es da, dass auch die Metzger bequem auf kirchliche Munition zurückgreifen, um gegen die erwähnte Fernsehwerbung für vegetarische Ernährung in Stellung zu gehen. Der Deutsche Fleischer-Verband behauptet in einer Presseerklärung einfach, dass hier „unter dem Deckmantel der vegetarischen Lebensweise mittelbar für eine Sekte geworben“ werde. Dabei wurde die Werbung gar nicht vom Universellen Leben, sondern vom Lebe-gesund!-Versand in Auftrag gegeben, der vegetarische Lebensmittel vertreibt.

In dasselbe Horn stößt auch der Deutsche Bauern-Verband, der offenbar die Einnahmen der Schlachtviehhalter bedroht sieht. In einer Erklärung vom 6.3.2003 sprechen die Verbandsbauern vom „Sektenmilieu“ und berufen sich auf die Baden-Württembergische SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer, eine fanatische Lutheranerin, die ihrerseits die ARD-Intendanten auffordert, den Werbevertrag für diesen Spot nicht zu verlängern.

Diese Entscheidung nahm der Fernseh-Chefetage zunächst das Landgericht Würzburg ab, das einer Klage des „Vereins gegen Unwesen im Handel und Gewerbe Köln e.V.“ stattgab und den Spot untersagte. „Die Bildfolge löse schockartige Gefühle des Ekels und des Abscheus aus. Das würde den Wettbewerb beeinträchtigen und die Fleischindustrie benachteili­gen.“ Erst nach zweijährigem Rechtsstreit hob das Oberlandesgericht Bamberg das Urteil wieder auf:

„Das Gericht stellt fest, dass im Rahmen der freien Meinungsäußerung auch drastische Hinweise auf die Behandlung der Tiere durch die Menschen zum Zwecke des Fleischgenusses erlaubt sind. Der Vorgang des Schlachtens sei allen bekannt und werde durch die Werbung nur drastisch ins Bewusstsein gehoben. ‚Es mag sein’, führt das Gericht aus, ‚dass zahlreiche Verbraucher die Entstehungsgeschichte von Fleisch und Wurst aus ihrem Bewusstsein ausblenden und hieran nicht erinnert werden wollen.’ Dies sei aber kein Belang für die Einschränkung des Grundrechts auf freie Mei­nungsäußerung.“

 Auch in anderen Fällen müssen Urchristen vor Gericht um das Recht kämpfen, ihre Mitmenschen mit den anklagenden Augen ihrer Mitgeschöpfe, der Tiere, zu konfrontieren. In Berlin steigen die Verkehrsbetriebe plötzlich aus einem bereits abgeschlossenen Werbevertrag wieder aus, wonach in der U-Bahn das Plakat „Was Augen hat, essen verantwortungsbewusste Menschen nicht“ aufgehängt werden sollte. Vor Gericht berufen sich die Behördenvertreter darauf, dass der Berliner Senat – auf Betreiben der Kirchen, versteht sich – im Jahre 1997 vor dem Universellen Leben gewarnt habe. Nach einem halben Jahr, im Oktober 2003, urteilt das Amtsgericht Schöneberg, dass der Vertrag eingehalten werden müsse. Das Universelle Leben sei „nicht verboten, und seine Aktivitäten sind weder verfas­sungswidrig noch strafbar.“

Doch was ist das für ein Land, in dem solche Selbstverständlichkeiten immer wieder vor Gericht eingeklagt werden müssen? Wobei hier anzumerken ist, dass die beiden zuletzt genannten Gerichtsurteile eher Ausnahmen darstellen. In zahlreichen anderen Fällen war und ist die Justiz hingegen nicht bereit, gegen den Strom eines kirchlichen geprägten „Zeitgeistes“ zu schwim­men.

Fest steht, dass den Urchristen bei ihrem publizistischen Einsatz für die Tiere immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden, sei es durch TV-Sender, Zeitungsredaktionen oder langwierige Gerichtsverfahren, mit denen sie sich ihre Rechte erkämpfen mussten.

So etwa "beschwert" sich eine ehemalige Lehrerin in Schwindegg (Landkreis Mühldorf) im Januar 2007 über ein Plakat, das dort am Bahnhof hängt: "Ihr Menschen habt uns krank gemacht. Jetzt esst ihr unsere Krankheit." Die Eisenbahnreklame knickt sofort ein und nennt das Aufhängen des Plakats eine "unglückliche Entscheidung". Das Plakat werde sofort überklebt. Der Würzburger Verunglimpfungsbeauftragte Alfred Singer darf im Oberbayerischen Volksblatt über das Universelle Leben herziehen, und Gemeindesprecher Hans Brzeigt sich "erleichtert":  "Eine solche Botschaft darf nicht an einem Platz hängen, an dem Tagtäglich viele Kinder unterwegs sind." Nicht die Massentierhaltung gefährdet also aus seiner Sicht die Kinder, sondern die Information darüber!

Das gleiche Plakat löst wenig später auch in Gerlingen (Kreis Ludwigsburg) laut Strohgäu extra "verständnisloses Kopfschütteln" und "Ärger" aus. Man ärgert sich lieber über ein Plakat, als sich mit dem unangenehmen Thema auseinanderzusetzen, das darin angesprochen wird.

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