Das Buch
 

Der Steinadler und sein Schwefelgeruch
- Das neue Mittelalter

Buch, 464 Seiten, gebunden,
mit zahlreichen Abbildungen
Euro 14,90, SFr 26,80 + Versand
ISBN 978-3-9808322-3-6

Zu bestellen per E-Mail bei
Verlag Das Weisse Pferd:
info@das-weisse-pferd.com
 


 

 

Kapitel 3

DIE VERFOLGUNG DER URCHRISTEN IM UNIVERSELLEN LEBEN

 

Abschnitt 16
LEBENSRAUM FÜR NATUR UND TIERE
(1991– 2002)

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich im August 1991 die Nachricht in Hettstadt und Greußenheim, dass Anhänger des Universellen Lebens das Gut Greußenheim, einen ausgesiedelten Gutshof mit 130 Hektar Land, erworben haben. Der Vorbesitzer, ein Saatguthersteller, baut sich in den neuen Bundesländern eine neue Existenz auf.

Auf die Frage eines Main-Post-Journalisten, ob sie den Verkauf an die Urchristen bestätigen könne, antwortet die Frau des Vorbesitzers: „Wäre es denn eine Veröffentlichung wert, wenn ein Katholik oder Protestant den Hof kaufen würde?“ 616

Von Anfang an wird der neue Hof zum Gegenstand von Spekulationen und Legendenbildungen, die vor allem von kirchlichen Rufmordbeauftragten erfunden und angeheizt werden. Den Höhepunkt bilden die Hetzreden „Pfarrer“ Behnks über die angebliche Möglichkeit eines urchristlichen Massenselbstmords 617, die zu einer regelrechten Pilgerfahrt sensationslüsterner Journalisten führt. Dass die dabei eingesetzten tief fliegenden Hubschrauber, die Luftbilder liefern sollen, die auf dem Hof lebenden Tiere fast zu Tode erschrecken, ist diesen Leuten offensichtlich einerlei.

Die Bevölkerung der umliegenden Dörfer Hettstadt, Leinach und Greußenheim kann sich bald schon persönlich überzeugen, dass das Gut ein normaler und dazu noch naturgemäß bewirtschafteter Bauernhof ist. Eine Einladung zur Besichtigung und (vegetarischer) Brotzeit wird gerne angenommen.

Die Scharfmacher jedoch haben den Hof, auf dem hauptsächlich Getreide angebaut wird und auf dem die Tiere (Esel, Pferde, Schwäne, Hühner ...), die dort leben, nicht geschlachtet werden, nach wie vor im Visier. Als Ende Mai 1993 der jährliche Grenzgang der Gemeinde Hettstadt in die Nähe des Hofes führt, erhält ein Mitarbeiter des Hofes kurz zuvor einen Anruf: „Morgen kommen wir mit Kanonen von Hettstadt!“ Wenig später der nächste Anruf: „Wir kommen heute Mittag, bestellt schon mal die Feuerwehr!“

Als die Landwirte eine alte wilde Müllkippe entdecken und ordnungsgemäß beseitigen und zu diesem Zweck einige Sträucher stutzen, steht in der Main-Post zu lesen, es solle „ zu einer nicht genehmigten Rodung eines Biotops gekommen sein“. Unter der Überschrift „Einklang zwischen Worten und Taten? – Biotop gerodet, Abfall in der Natur“ schreibt der Journalist Tilman Toepfer 618 außerdem von einer „Ermittlung“ des Landratsamtes, weil „ein Graben mit Abfall gefüllt“ worden sei. 619

Wenn die alte Müllkippe ein „Biotop“ gewesen sein soll, so war das ein Geheimnis des Landratsamtes – niemand wusste etwas davon. Und selbst wenn sie ein Biotop gewesen wäre – beschädigt wurde nichts. Immerhin wurden die Main-Post-Leser drei Tage später über den wahren Sachverhalt aufgeklärt. Als sich jedoch im Dezember 1993 ein katholischer Professor der Würzburger Universität beim Spazierengehen in der Nähe des Hofes durch bellende und frei herumspringende Hunde belästigt fühlt und einen bösen Brief an Landratsamt und Polizei schreibt, bringt Redakteur Toepfer die „Story“ wieder groß heraus: „Vorfall mit freilaufenden Hunden ... Nur pflichtbewusst oder aggressiv?“ 620 Wohlgemerkt: Zu Schaden kam niemand, der Hundehalter war sogleich zur Stelle.

Neue Hecken und ein Biotopverbund

In den darauf folgenden Jahren wurde es vergleichsweise ruhig um das Gut Greußenheim. Erst als die Urchristen um das Jahr 2000 damit beginnen, auf dem Gelände des unterfränkischen Bauernhofes neue Lebensräume für Natur und Tiere zu schaffen, verlagert sich die Aufmerksamkeit wieder dorthin.

Nun sollte man meinen, dass es etwas Positives und Zeitgemäßes ist, freilebenden Tieren einen Raum zur Verfügung zu stellen, in dem sie möglichst ungestört leben können. Wer in der ausgeräumten Landschaft Hecken, Feucht- und Trockenbiotope anlegt, die dazugehörigen Äcker naturgemäß bewirtschaftet und einen Teil der Ernte auf den Feldern stehen lässt, damit auch die Tiere ihren Anteil erhalten, wer Wälder aufforstet, Streuobstwiesen neu anlegt, Nistkästen in den Wäldern aufhängt, und das alles nur auf Spendenbasis ohne jeglichen staatlichen Zuschuss, der – so sollte man meinen – setzt ein Zeichen in einer Zeit, in der sogar die Feldhasen vom Aussterben bedroht sind, weil sie künstliche Düngung und Insektengifte nicht länger vertragen. Doch wenn Urchristen so etwas tun, dann scheint es grundsätzlich verdächtig. Obwohl im neugefassten deutschen Naturschutzgesetz von 2002 ein Verbund von Biotopen, also Lebensräumen von Tieren und Pflanzen, ausdrücklich als Ziel und staatliche Aufgabe festgelegt ist, kommt es keinem Journalisten in den Sinn, es als vorbildliche Initiative zu würdigen, wenn Bürger hier mit gutem Beispiel vorangehen. Im Gegenteil: Tilman Toepfer von der Main-Post  621 stellt sich auf die Seite der wenigen Jäger vor allem aus Hettstadt, die sich durch die neu angelegten Hecken in ihrer Sicht- und Schießfreiheit eingeschränkt fühlen. Ende der achtziger Jahre hatten Sensationsjournalisten die ehemalige deutsch-deutsche Grenze kurzerhand an die Grenze des Gutes Greußenheim verlegt, nur weil man dort (wie vorgeschrieben) Weideland eingezäunt hatte (S. 317). Wer rund um das Gut, vor allem auf Hettstädter Seite, im Abstand von bisweilen nur 20 Metern die Schusstürme der Jäger betrachtet, der kann diese Assoziation dort viel eher bekommen. Toepfer hingegen fotografiert die Zäune, die – streng nach behördlicher Vorschrift – um Aufforstungsflächen errichtet wurden. 622 (Auch Aufforstung ist im Zeitalter des Klimaschutzes eine wichtige Umweltschutzmaßnahme.) Die an manchen Wegrändern mit dürren Zweigen und Ästen aufgeschichteten „Benjes-Hecken“, aus denen nach wenigen Jahren wie von selbst grüne Hecken sprießen, werden in der Main-Post als „überdimensionale Schutzwälle“ 623 bezeichnet. Als die Urchristen der Gemeinde Hettstadt anbieten, ein gemeindeeigenes Waldstück in unmittelbarer Nähe des Hofes käuflich zu erwerben – das Betreten des Waldes für jedermann ist nach dem deutschen Waldgesetz gewährleistet –, lehnt dies die Gemeinde rundweg ab. 624 Dabei hätte sie doch allen Grund, an den aus Hettstadt vertriebenen Urchristen etwas wieder gutzumachen. Und den Gemeindefinanzen hätte es auch gut getan.

Kann man über Glaubensfragen abstimmen?

Aber die nächste Kommunalwahl (Frühjahr 2002) ist in Sicht. Da lässt sich Hettstadts Bürgermeister Eberhard Götz (SPD) mit demonstrativ erhobenen Händen in der Main-Post ablichten: Er sei dagegen, „dass Wanderer ganze Landstriche nicht mehr passieren dürfen“. 625 Dabei sind die Durchgangswege weiterhin passierbar. Auch Greußenheims Bürgermeister Bruno Scheiner (CSU), ein Förderer des Umweltschutzes, verlässt im Vorfeld der Kommunalwahl der Mut, die Urchristen so zu behandeln wie alle anderen Bürger auch. Er stellt einem Feinkostbetrieb, der von Urchristen betrieben wird und der unter anderem in Greußenheim angebaute Feldfrüchte verarbeitet, ein Grundstück im dörflichen Gewerbegebiet in Aussicht – doch dann treten in einer Bürgerversammlung wieder Scharfmacher auf den Plan, welche die bekannten kirchlichen Verdächtigungen und Verleumdungen in den Raum stellen 626. Man beschließt, wegen des bevorstehenden Grundstückskaufs eine „Bürgerbefragung“ durchzuführen – obwohl Derartiges in der Verfassung gar nicht vorgesehen ist: Entweder der Gemeinderat beschließt über den Verkauf der Fläche, oder es gibt ein ordentliches Bürgerbegehren, also einen offiziellen Volksentscheid. Scheiner lässt die ominöse Befragung durchführen, obwohl das Feinkostunternehmen sein Kaufgesuch bereits zurückgezogen hat: Denn als Urchristen lehnen sie es ab, zum Gegenstand eines Tribunals über ihren Glauben zu werden. Obgleich der katholische Pfarrer von der Kanzel aus gegen die Urchristen gewettert hatte, sprachen sich bei der Abstimmung Mitte Januar 2002 immerhin rund 26 Prozent für einen Verkauf aus (Wählerbeteiligung: knapp 45 %) 627. Die Urchristen selbst hatten an der Abstimmung nicht teilgenommen. Die Greußenheimer hätten, so Toepfer in einem Kommentar 628, „ihre Stimme erhoben“. Die kirchlich beeinflussten Scharfmacher bezeichnet er als „besorgte Fragesteller“.

Sobald Urchristen irgendwo auftauchen, funktionieren ganz normale Vorgänge nicht mehr. Dies ist im Falle des Gutes Greußenheim nicht anders. Als die Landwirte des Gutes ein 18 ha großes Waldgrundstück erwerben wollen, um es in ihre Pflegemaßnahmen mit einzubeziehen, wird die Entscheidung hinausgezögert. Die Bundesvermögensverwaltung, der ein angemessenes Preisangebot vorgelegt wird, hat zwar keinerlei Einwände, weil sie ja gehalten ist, Grundstücke nach Möglichkeit zu veräußern. Doch die erstaunten Urchristen erfahren, dass man schließlich nicht nur – ungewöhnlich genug – das Bundesfinanzministerium, sondern auch noch das Bundesfamilienministerium (!) eingeschaltet hat, um einen simplen Waldverkauf zu tätigen. Das Familienministerium, das mit Bäumen normalerweise wenig zu tun hat, wohl aber mit der Ausforschung religiöser Minderheiten, schaltet auch noch das Bayerische Kultusministerium ein. Nachdem der zuständige Beamte im Finanzministerium zunächst im Juli 2001 einen Verkauf telefonisch zusagte, wird dieser dann im Oktober lapidar abgelehnt – ohne Nennung von Gründen. In einigen Amtsstuben kursieren offenbar noch immer Dossiers von kirchlichen Rufmordbeauftragten, durch die den Urchristen elementare Bürgerrechte vorenthalten werden sollen.

Bislang hat auf diese Weise noch Andreas Oestemer (CSU), damals Bürgermeister von Leinach, auf dessen Gemarkung das Waldgrundstück liegt, recht behalten. Er hatte sinngemäß erklärt, dass an „solche Leute“ dieses Grundstück niemals verkauft werden würde. Doch wie lange werden die Intrigen der Kirchenvertreter noch funktionieren? In einer Umfrage zur Frage, wie vertrauenswürdig Institutionen für die Bürger sind, landeten die Kirchen in Deutschland Ende 2002 unter 17 Wahlmöglichkeiten auf dem letzten Platz. 629

Die in diesem Buch genannten Vorfälle zeigen, dass die Diskriminierung religiöser Minderheiten so lange weitergeht, wie die Großkirchen mit ihren Seilschaften, ihren Privilegien und ihrer finanziellen Macht in diesem Staat die Fäden ziehen können. Urchristen sind dabei, im Kleinen den Beginn einer friedvollen Alternative in diese Welt zu bringen, bei der auch die Tiere nicht vergessen werden, denen bereits Jesaja (Kap. 11) in seiner Ankündigung des „Friedensreichs“ ein Leben in Frieden mit den Menschen voraussagt.

Sie, lieber Leser, sind nun informiert. Sie wissen, dass der Prozess der Ausgrenzung religiöser Minderheiten nicht Vergangenheit ist, sondern Gegenwart. Zukunft wird dieser Prozess nur in dem Maße bleiben, als Bürger dieses Landes (und seiner Nachbarländer) weiterhin wegsehen und nichts gegen die moderne Inquisition tun. Die Freiheit des Glaubens steht auf dem Spiel – und jeder Bürger, der den Mund aufmacht, hilft mit, dass sie erhalten bleibt. Eine erste ganz simple, aber sicher wirksame Handlungsweise wäre es, soweit nicht bereits erfolgt, einer Institution den Rücken zu kehren, die nicht zuletzt auch mit Ihren Kirchensteuergeldern das durchführt, was Sie in diesem Buch gelesen haben.

Die Fortsetzung der Auseinandersetzung lesen Sie unter
http://www.steinadler-schwefelgeruch.de/buch_fortsetzung/terra_nova.html

Und mehr zur aktuellen Entwicklung der Stiftung für Natur und Tiere siehe: http://www.gabriele-stiftung.de/cms/de/

 

Zum Literaturverzeichnis                 Zurück zum Kapitel 3-15               Zurück zur Übersicht

[ Startseite ]    [ Überblick ]    [ Aktuell ]    [ Inhaltsverzeichnis ]    [ Hintergrund ]    [ Links ]    [ Kontakt ]    [ Impressum ]    [ Schattenwelt ]