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Abschnitt 10
DER LUTHERANER WOLFGANG BEHNK
Ein Falschmünzer im Pfarrertalar
(1991-2003)
„Der biblisch fundierte Absolutheitsanspruch
der Kirche steht ständig auf dem Sprunge, von neuem die Scheiterhaufen für
Ketzer zu entflammen.“ 445 Karl Jaspers
Als Wolfgang Behnk, evangelisch-lutherischer Pfarrer in Gerbrunn bei
Würzburg, im Juni 1991 zum Nachfolger des Ende 1990 verstorbenen bayerischen
Rufmordbeauftragten Friedrich Haack ernannt wird, ahnt noch kaum jemand, wie
ehrgeizig der etwas nervös wirkende 42-Jährige danach trachten wird, seinen
Vorgänger in der Intensität der diabolischen Verleumdungsarbeit noch zu
übertreffen – zumindest was die Urchristen im Universellen Leben angeht. Im
Gegenteil: Der kühle Norddeutsche gibt sich zunächst betont locker und
kommunikativ, taucht ohne Vorankündigung im Haus des Universellen Lebens
auf, angeblich um „Kontakt zu knüpfen“, und teilt anschließend der Main-Post
mit, er wolle nicht so wie sein Vorgänger agieren, der vielen „zu polemisch“
446 gewesen sei, der oft „mit Fakten geizte“
447 – nein: „argumentativ und
dialogisch“ werde sein Stil sein, er wolle „offen das Gespräch mit den
Gruppen und Bewegungen suchen“, denn er sei „kein Inquisitor“, er
praktiziere „Toleranz“, wolle nicht „Zustimmung aggressiv einfordern oder
mit Heilsentzug drohen“, sondern nur „Hilfen zur Urteilsbildung geben,
Fakten zeigen, aber das Urteil muß jeder selber treffen“. Die evangelische
Kirche wolle „durch ihren Glauben überzeugen und durch Taten, die daraus
folgen, nicht durch institutionelle oder staatliche Macht“.
448
Hat er schon mit diesen ersten Worten im Amt die Öffentlichkeit bewusst
getäuscht? Oder war er zunächst von seinen Zielen überzeugt und geriet dann
in geradezu obsessiver Weise in den Bann seines Vorgängers, in dessen Archiv
er sich mehrere Monate lang durch die dort gestapelten Inquisitionsakten
wühlte? Jedenfalls wurde sehr bald erkennbar, dass der angekündigte
Kurswechsel nicht nur ausblieb, sondern dass Behnks Stil sich in das genaue
Gegenteil seiner vollmundigen Absichtserklärung verkehrte.
Schon wenige Tage nach seiner offiziellen Amtseinführung im Dezember 1991
lanciert Behnk einen Artikel in den Münchner Merkur (16.12.91), der unter
der Überschrift „Guru machte reiche Beute“ einen der unter berufsmäßigen
Rufschädigern so beliebten Rundumschläge durch die „Ketzer“-Landschaft
enthält. Behnk möchte jetzt nicht mehr, wie wenige Monate zuvor, Menschen
durch den „Glauben überzeugen“, sondern er will „durch gezielte Information
verhindern, dass Menschen dem Betrug auf den Leim gehen“. Dem Universellen
Leben wirft er nun vor, diese „Sekte“ versuche, „Jugendliche in ihre Netze
zu treiben“. Behnk zimmert weiter an seinem Feindbild: „Sekten“ sind
gefährlich, denn sie werden für den, der „sich in sie hineinbegibt, zur
Droge, welche völlige Abhängigkeit bedeutet. ... Er hängt, medizinisch
gesprochen, am ‚Dauertropf’ der Gruppe, die sich ‚intensiv’ seiner und
seines Vermögens annimmt“. 449 Das Universelle Leben, so Behnk, sei eine
„finanzstarke Kunst-Religion“ 450, eine mit „bewundernswerter juristischer
Raffinesse aufgebaute totalitäre Organisation“. Er warnt deshalb davor,
„sich von der Herzlichkeit der Sektenmitglieder beeindrucken zu lassen:
Diese Freundlichkeit ist eine knallharte Investition, die mit Zins und
Zinseszins zurückgefordert wird.“ 451
Im 17. Jahrhundert hätte man gesagt: Wenn dir jemand besonders freundlich
vorkommt, so könnte es eine Hexe oder ein Hexer sein, die dich verzaubern
wollen. In jedem Fall ist es wichtig für einen Inquisitor, das „Volk“ in
seinen natürlichen Wahrnehmungen und seinen spontanen Gefühlsregungen („Ich
sehe jemanden, der freundlich ist; der kann doch so schlecht nicht sein“) zu
verunsichern. Dabei greift Behnk, wie viele seiner Vorgänger, auf
einprägsame Bilder zurück: „Sekten“ sind „wie ein Fliegenpilz: Von außen
betrachtet sind sie schön, aber beißt man hinein, erkennt man das Gift.“
452
„Der Giftpilz“: So hieß ein „Stürmerbuch“, 1938 vom nationalsozialistischen
Hetzblatt Der Stürmer herausgegeben, in dem „deutscher Jugend ein Wissen von
jüdischen Dingen“ beigebracht werden sollte. Wenn man auch die Verfolgung
der Juden im Dritten Reich nicht mit der heutigen Verfolgung religiöser
Minderheiten vergleichen kann, so sind die Analogien in der
Verleumdungs-Argumentation doch immer wieder verblüffend. So wie Behnk und
andere Verleumdungsexperten dem Universellen Leben (und nicht nur diesem)
immer wieder vorwerfen, es verfolge in erster Linie wirtschaftliche Ziele,
so warf auch Der Stürmer den Juden vor, sie seien „gar keine
Glaubensgemeinschaft, sondern ein Bund zur Vertretung wirtschaftlicher und
politischer Interessen“. 453
Behnk verbindet geschickt die Verleumdungen von Haack und Magnis zu einem
neuen Feindbild des Universellen Lebens, das er, losgelöst von der Realität,
immer weiter ausbaut: Das Universelle Leben, so behauptet er, sei eine
„geschlossene Ideologie, ... in der jegliche Kritikfähigkeit ausgeschlossen
und keine Gewissensbildung mehr möglich“ sei. 454 Die Urchristen hätten somit
ihre „materielle Verfügungsgewalt“ ebenso verloren wie ihre „geistige und
gewissensmäßige Freiheit“ und seien in Gefahr, in Panik zu geraten.
455 Behnk
hat die Schriften des Universellen Lebens gelesen und weiß daher, dass die
Bewahrung und Schulung eines wachen Gewissens anhand der Bergpredigt und der
Zehn Gebote Gottes zu den wichtigsten Zielen des Inneren Weges gehört; er
weiß, dass die Kritikfähigkeit des Menschen, das kritische Hinterfragen
sowohl der eigenen Gedanken und Motive als auch der Tagesereignisse, dort
ebenfalls gelehrt wird. Er weiß, dass jeder Urchrist selbstverständlich über
sein eigenes Konto verfügt – wenn er also Gegenteiliges behauptet, so tut er
es jedes Mal wider besseres Wissen.
Als in Waco (USA) am 19. April 1993 bei der Erstürmung der Ranch der
„Davidianer“ durch Polizisten 81 Menschen ums Leben kommen, wittert Behnk
seine große Chance. Obwohl bis heute nicht vollständig geklärt ist, wie
viele der umgekommenen Davidianer verbrannten (und wer den Brand eigentlich
ausgelöst hat), wie viele sich gegenseitig erschossen und wie viele unter
den Kugeln der Polizeibeamten starben, geht man in der Öffentlichkeit
zunächst von einem „Massenselbstmord“ aus. Zwei Tage später, am 21. April,
lässt Behnk über den Evangelischen Pressedienst nachfolgende Meldung
verbreiten:
„Ein Massenselbstmord wie der von Anhängern der
Davidianer-Sekte im texanischen Waco ist nach Ansicht des Münchner Sektenbeauftragten Pfarrer
Wolfgang Behnk auch in Deutschland möglich. ‚Diese Gefahr besteht, sobald
sich Menschen in den Einflußbereich einer geschlossenen Ideologie gegeben,
in der jegliche Kritikfähigkeit ausgeschlossen ist und keine
Gewissensbildung mehr möglich ist’ .... Wenn die Ideologie der Sekte von
apokalyptischen Endzeiterwartungen durchdrungen sei und eine psychische
Abhängigkeit zu einer Führergestalt bestehe, sei die Möglichkeit eines
Massensuizids gegeben, sobald sich der Sektenführer in einer ausweglosen
Situation sehe ... ‚Wenn Selbstmord als letzte Konsequenz gefordert wird,
dann folgen alle wie die Lemminge kritiklos seinem Kommando.’ Behnk warnte
in diesem Zusammenhang vor der Gruppe ‚Universelles Leben’, die in der Nähe
von Würzburg einen ‚Christusstaat Neues Jerusalem’ errichten will.“
Diese Pressemeldung wurde aufgrund ihres Sensationsgehalts von zahlreichen
Zeitungen übernommen; auch der Bayerische Rundfunk interviewte Behnk, der
seinen „Verdacht“ dort wiederholte. 456
Wer die Urchristen kennt (und Behnk hatte die urchristlichen Schriften
ausführlich studiert!), der weiß, dass ein Selbstmord für sie völlig
undenkbar ist, schon allein weil er ihrer Glaubenslehre widerspricht. Denn
nach urchristlicher Lehre muss die Seele des Menschen, der sich selbst das
Leben nimmt, so lange auf der Erde verweilen, wie es dem Menschen zu leben
vorgegeben gewesen wäre. Sie muss erleben, wie die Hinterbliebenen darauf
reagieren und erahnen, was der Mensch noch alles an Positivem hätte tun
können, wäre er am Leben geblieben.
Doch Behnk hatte die Sensationsgier der Massenmedien geweckt. Zu Fuß, per
Auto, sogar mit einem gemieteten Hubschrauber steuern Scharen von
Journalisten einen Bauernhof bei Würzburg an, um das „Waco in Unterfranken“
zu suchen. Die Main-Post (14.5.93) schreibt:
„Viel Aufregung um das von Anhängern der Glaubensgemeinschaft ‚Universelles
Leben’ betriebene Gut Greußenheim. Seit Wochen kommt es zur Konfrontation
zwischen Fernsehteams und den Bewohnern ... Fakt ist jedenfalls, dass der
Medien-Run auf das Gut nach dem Massenselbstmord von Anhängern der
Davidianer-Sekte im texanischen Waco am 19. April begann. Auslöser dürfte
eine sicherlich kühne Spekulation des evangelischen Sektenpfarrers Wolfgang
Behnk gewesen sein ... Bezeichnend auch, dass eines der Filmteams angab, den
Tipp für Dreharbeiten auf Gut Greußenheim von Behnk erhalten zu haben.“
Vermutlich war dies auch bei anderen Filmteams der Fall. Denn indem Behnk
die Aufmerksamkeit der deutschen Journaille auf das Universelle Leben
lenkte, erreichte er zweierlei: Zum einen wurden die Urchristen in einem
besonders kritischen Moment bundesweit als ein Haufen unberechenbarer
Verführter und Verrückter dargestellt. Und zum anderen schaffte Behnk etwas,
wovon sein Vorgänger Haack nur geträumt hatte: Er nützte den Einfluss und
die Medienkontakte seiner Kirche dazu, das „Sekten“-Thema“ als „Reizthema“
auf allen Kanälen zu etablieren – und sich als „Experten“ gleich mit dazu.
Dadurch erreichte die Ausgrenzung der Urchristen, die sich bis dahin
überwiegend auf der Ebene regionaler Tageszeitungen abgespielt hatte, eine
völlig neue Dimension.
Ein Hetz-Artikel in der örtlichen Tagespresse ist schlimm genug – eine
bundesweit im Abendprogramm ausgestrahlte Fernsehsendung mit sensationellen,
hektischen Bildfolgen und düsterer Musikuntermalung wirkt noch weit stärker
auf das Unterbewusstsein. Der rasch dazu gesprochene Text kann – im
Gegensatz zur Zeitung – kaum reflektiert werden; zurück bleiben oft nur
Versatzstücke von Assoziationen und Vorurteilen. Schon die Anmoderation legt
die emotionale Richtung fest – wie die von Friedrich Küppersbusch in der
Sendung „ZAK“ im Westdeutschen Rundfunk (25.4.93):
„Liebt eure Firma, kauft Häuser, kauft Grundstücke,
freut euch auf den Profit, das predigt Gabriele von Würzburg.“
Das „predigt“ sie gar nicht, also ist schon der erste Satz eine Lüge – die
aber gleich wieder geschickt verharmlost wird:
„Und wenn das verboten wäre, dann wäre wohl die
F.D.P. eine kriminelle
Vereinigung. Trotzdem mauern die Behörden, denn diese Gabriele Wittek gilt
als Chefin einer umstrittenen Sekte, und die heißt Universelles Leben.
Jämmerliches Sterben hat (man) ja diese Woche in Waco, Texas, übelst
demonstriert.“
Hier wird eine direkte Assoziation hergestellt: Jämmerliches Sterben –
Universelles Leben. Diese setzt sich im Unterbewusstsein fest – auch wenn
der nachfolgende Satz sie scheinbar wieder verharmlost:
„Aber die deutsche Sekte unterscheidet sich von dieser christlichen Guerilla
aus den USA (dadurch), dass sie nicht bewaffnet ist, sondern ihr kleines
Dorf bei Würzburg mit Rechtsanwälten verteidigt. Was man trotzdem berichten
darf, zeigt jetzt Detlef Cosmann.“
Cosmann behauptet dann in seinem Filmbeitrag, der Hof in Greußenheim sei
„abgesichert mit aufwendiger Elektronik, Doppelzaun mit Sicherheitstrakt für
Grenzschützer und pflichtbewusste Hunde“. Diese falsche Behauptung wurde ihm
zwar am 23.6.93 vom Landgericht Würzburg
untersagt – doch in den Köpfen der
Betrachter ist der im Film gezeigte Zaun, optisch verzerrt von unten in
grotesker Vergrößerung aufgenommen, längst gespeichert. Der angebliche
„Doppelzaun“ war nichts als ein neuer Weidezaun, hinter dem einige Pfosten
des alten Zaunes noch nicht entfernt waren ...
Eine Steigerung dieser Hetze erlebten die Fernsehzuschauer am 9. Mai 1993 in
der Sendung „Die Reporter“ in Pro 7. Auch hier werden schon in der
Anmoderation die Weichen gestellt:
„Der Massentod, die brennenden Bilder aus Waco haben alle aufgeschreckt.
Allein in Amerika gibt es über 3000 fanatische Sekten. Doch wer glaubt, ein
solches Inferno sei bei uns nicht möglich, der irrt. Die Verkünder der
Moon-Sekte, des Universellen Lebens, der Scientologen oder der
Philadelphia-Gemeinde – sie leben unter uns. Und so verschieden die
Heilslehren dieser Seelenverkäufer auch sein mögen, eines haben sie
gemeinsam: den religiösen Fanatismus. Ihre Anhänger geben den Propheten ihr
Geld, ihre Arbeitskraft, ihre Gesundheit und nicht selten auch ihr Leben.
Sie folgen ihnen blind ins Reich des Bösen.“
Nach dem Fall der Berliner Mauer suchen offenbar nicht nur die Generäle der
NATO, sondern auch die Journalisten der Medien-Meute nach einem neuen
Feindbild, einem „Reich des Bösen“. Da kommen die „Sekten“ gerade recht. Die
Behauptung, die „Anhänger ... geben den Propheten ihr Geld, ihre
Arbeitskraft, ihre Gesundheit und nicht selten auch ihr Leben“, könne
allerdings, so urteilte am 10.8.93 das Landgericht Würzburg, dem Sender Pro
7 nicht untersagt werden, denn sie sei „nicht ehrverletzend. Auch innerhalb
der katholischen Kirche ist es die Regel, dass bei Entritt in einen Orden
das Vermögen auf die Ordensgemeinschaft übertragen wird. Bei dieser
Behauptung handelt es sich letztlich nur um eine symbolische Darstellung der
Hingabe der Mitglieder an die jeweilige Glaubensgemeinschaft.“
Der Leser möge selbst urteilen, ob er nach der Lektüre der oben angeführten
Anmoderation auch zu diesem Schluss kommt. Im übrigen besteht der
Unterschied eben darin, dass kein Fernsehsender in Deutschland nach der
Waco-Katastrophe auf die Idee kam, drohende Massenselbstmorde in
katholischen Klöstern zu suggerieren.
Das absurde Urteil des Landgerichts wird noch unverständlicher, wenn man
bedenkt, dass im Filmbericht unmittelbar nach diesen einleitenden Worten
Bilder von Leichenbergen gezeigt wurden, unterlegt mit den Worten:
„8. August 1969: Charles Manson und die Anhänger seiner Teufelssekte bringen
in Kalifornien acht Männer und Frauen auf bestialische Weise um.
Bekanntestes Opfer: die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate. 18.
November 1978: Jim Jones, Führer der Volkstempelsekte, bringt im
südamerikanischen Urwald in Guyana tausend seiner Anhänger dazu, sich mit
Zyankali zu vergiften. Jüngster Fall, 19. April 1993: In der Flammenhölle
von Waco sterben 86 Davidianer, angeführt vom selbsternannten Messias David
Koresh.“
Wenig später wurde dann im Film gezeigt, wie einige Urchristen versuchten,
ein von Hans-Walter Jungen angeführtes Filmteam von einem Privatgrundstück
in der Nähe des Gutes Greußenheim zu verweisen. 457 Immerhin wurde dem
Fernsehsender vom Landgericht untersagt, die Behauptung zu wiederholen, es
seien Hunde auf die Reporter gehetzt worden.
Auch „Pfarrer“ Behnk tritt in Pro 7 auf – und behauptet, er sei von Gabriele
„bedroht“ worden, weil sie, bezugnehmend auf die ständige Schmähkritik
Behnks an ihrer Person, in der Zeitschrift Der Christusstaat geschrieben
hatte: „Mit der Kraft der selbstlosen Liebe habe ich ‚Pfarrer’ Haack und
seinen ebenfalls verstorbenen Amtskollegen ‚Pfarrer’ Haberer überwunden. Mit
der Kraft der selbstlosen Liebe werde ich auch Herrn Behnk überwinden.“
In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk
458 zeigte sich Behnk
überzeugt, „mit selbstloser Liebe überwinden“ bedeute, „dem Tode zuführen“.
Der kirchenhörige Rundfunksender bezeichnete Gabrieles Äußerungen als
„Todesorakel“; Antenne Bayern sprach gar von einem „Todesfluch“
459. Seltsam
nur, dass in der Bibel, auf die sich die Kirchen so gerne berufen, der
Begriff „überwinden“ immer im positiven Sinne gebraucht wird.
460 Doch die
„Arbeit“ eines Inquisitors besteht eben darin, alles, was ein „Ketzer“
äußert, sofort zu verdrehen und gegen ihn zu wenden.
Auch der Hessische Rundfunk baut gleich zu Beginn seiner Sendung „Teuflisch
abgezockt – Sekten auf Seelenjagd“ (22.6.93) mit Bildern von brennenden
Häusern in Waco und von ekstatisch zuckenden Bhaghwan-Jüngern Stimmung auf.
Dann wird neben anderen Gruppierungen auch das Universelle Leben als
„Wirtschaftskonzern“ mit „knallharten Managern“ bezeichnet. Die
dazugehörigen Bilder erschlichen sich Kamil Taylan und Ulrike Bremer vom
Hessischen Rundfunk, indem sich der Deutschtürke Taylan als Journalist eines
türkischen Privatsenders ausgab, der positiv über das Universelle Leben
berichten wolle.
Wer will es den Urchristen verdenken, dass sie spätestens nach dieser
Erfahrung Journalisten gegenüber äußerst zurückhaltend sind?
Für Taylan und Bremer war dies jedoch nur eine Art Generalprobe. Sie kamen
wieder, stellten ihre Kameras direkt vor dem Eingang der Klinik auf, vor der
Schule und vor einer Jugendherberge, in der eine urchristliche Jugendgruppe
untergebracht war. Das Resultat dieses Medienterrors war ein
45-Minuten-Film, der am 10.12.93 um 21.45 Uhr bundesweit ausgestrahlt wurde:
„Das Seelenkartell“. Auch hier wird der „Massenselbstmord“ von Waco erwähnt,
es werden „Aussteiger“ befragt, deren Aussagen dann auch noch
wahrheitswidrig verzerrt werden – so etwa die Aussage einer Frau, sie habe
„200 Mark“ monatlich für ihre Mithilfe auf einem Hof erhalten. Dass die Frau
Rentnerin ist, ihr festes Auskommen hat und sich lediglich in ihrer Freizeit
ein Zubrot verdiente, wird verschwiegen: „Die Anhänger helfen gerne. Viel
bekommen sie dafür nicht.“ Durch geschickte Einblendung von Namen aus
Register-Unterlagen und irreführender Darstellung von Firmenzusammenhängen
wird der Eindruck erweckt, zwei Urchristen würden den gesamten Gewinn der
Christusbetriebe persönlich einstreichen: „Gemeinwohl für zwei – gemeiner
geht es nicht.“ Eine glatte Lüge – gemeiner geht es wirklich kaum.
Diese Verleumdung wird wenig später zur Folge haben, dass einer der auf
diese Weise verleumdeten Urchristen in seiner Familie mit größtem Misstrauen
beäugt wird und die eigene Tochter ihm zeitweise nicht mehr vertraut. Was
die kirchlichen Rufmordbeauftragten den Urchristen zu Unrecht immer
vorwerfen: sie würden sich abschotten, Kontakte abbrechen – das erledigen
sie auf solche Weise gleich selber. Dieser Urchrist stammt aus einer
katholischen antifaschistischen Familie; sein Vater wurde von den Nazis
umgebracht. Und nun hält seine Tochter es allen Ernstes für möglich, dass er
ein Rechtsradikaler sein könnte – weil der Hessische Rundfunk, wie viele
kirchliche Verleumder, behauptet, das Universelle Leben sei „antisemitisch“,
seine Veröffentlichungen „dumpfe, braune Propaganda“. Als „Beleg“ dient ein
einziges Extrablatt des Christusstaat aus dem Jahre 1991, in dem in
missverständlicher Weise von „Illuminaten“ und „Zionisten“ die Rede ist.
Obwohl der zuständige Redakteur diese Ausführungen später öffentlich
bedauerte und zurücknahm; obwohl jüdische Patienten aus Israel, die
regelmäßig die Naturklinik der Urchristen besuchen, sich öffentlich für die
Urchristen verbürgen; obwohl sogar kirchliche Autoren zugeben müssen, dass
ein „struktureller Antisemitismus“ im Universellen Leben nicht vorhanden
ist 461 (und natürlich auch sonst keiner);
obwohl der Bayerische
Verwaltungsgerichtshof am 4.4.1995 ausdrücklich feststellte, dass der
Vorwurf des „Rassismus und dabei insbesondere Antisemitismus“ gegen die
Urchristen nicht statthaft ist; obwohl sogar die Bayerische Staatsregierung
am 30.1.95 feststellte, dass „für eine Verbindung der Glaubensgemeinschaft
zu rechtsextremen Organisationen keine Anzeichen“ bestehen – trotz all
dieser eindeutigen Aussagen wird die Antisemitismus-Keule bis heute immer
wieder gegen das Universelle Leben geschwungen. Auf diese Weise können die
Kirchen eben am einfachsten von ihrer eigenen antisemitischen Vergangenheit
und ihrer Mitschuld am Holocaust ablenken (vgl. z. B.
hier).
Durch die (natürlich anonym vorgebrachten) Vorwürfe von Aussteigern, durch
Interviews mit kirchlichen „Experten“ wie Wolfram Mirbach (der als
lutherischer Pfarrer ausgerechnet den Urchristen vorwirft, sie strebten eine
Betreuung des Menschen „von der Wiege bis zur Bahre“ an), durch Befragung
von ausgesuchten, zuvor aufgehetzten Bürgern in den Straßen Hettstadts und
Michelrieths wird in diesem Film insgesamt der Eindruck erweckt, es handle
sich bei dem Universellen Leben um eine Ansammlung von gefährlichen
Halbverrückten, die unter der totalen Kontrolle ihrer „Manager“ ausgebeutet
würden.
Genau das schrieb Behnk auch prompt in den Lutherischen Monatsheften (1/94):
Die Mitglieder des Universellen Lebens stünden unter der „totalitären
Kontrolle“ ihrer Führung. Der Evangelische Pressedienst verbreitet es, die
Zeitungen drucken es ab. Die Verleumdung greift sich selber auf und pflanzt
sich auf diese Weise fort.
Man benötigt heute keinen „Meister Hans“, keinen Henker mehr, nach dem noch
Luther gegen die Täufer und „Hexen“ rief. Es genügen der Hessische Rundfunk
und der Evangelische Pressedienst, um eine religiöse Minderheit zu
erledigen, um sie mediengerecht „hinzurichten“. Denn die Auswirkungen lassen
nicht lange auf sich warten – und sie sind verheerend. Noch am selben Abend,
am 10. Dezember, ruft ein Mann in den Räumen des Universellen Lebens in
Nürnberg an, wo gerade eine Veranstaltung läuft, und schreit in den Hörer:
„Verschwindet, ihr Schweinepack!“ Am Tag darauf empört sich ein Passant, dem
in München ein Flugblatt des Universellen Lebens angeboten wird: „Ich habe
die Sendung gesehen, und ich hoffe, ihr brennt jetzt bald!“ Ein anderer
Passant sagt im Hinblick auf einen der im Film namentlich beschimpften
Urchristen: „Sie tun mir leid. Wenn ich den ... erwische, dann schlage ich
ihn windelweich, diesen Gangster.“ Unflätigste Beschimpfungen sind auf
Anrufbeantwortern von Urchristen zu hören, auf Telefaxen zu lesen (z.B.
München, Luzern, Würzburg), Urchristen werden in aller Öffentlichkeit als
„Seuche“ beschimpft (Ingolstadt), als „Faschisten“ (Berlin), „schlimmer als
Hitler“ (Darmstadt), als „Verbrecherbande“ (Michelrieth), sie seien „ähnlich
wie die Davidianer in Texas“, sie gehörten „verboten“, „vergast“ (Frankfurt)
oder „in die Strafanstalt gesperrt“, „erschossen“ (Würzburg); es gibt eine
Bombendrohung im Haus des Universellen Lebens in Würzburg (28.12.93). In
Tübingen kommt eine Frau mit einem Artikel, in dem Behnk zitiert wird, zum
Marktmeister und fordert, der „UL-Stand“ müsse „entsprechend gekennzeichnet“
werden. In Unterfranken werden Dorfbewohner von Nachbarn beschimpft, weil
sie „bei denen“ einkaufen.
Mindestens ebenso bezeichnend für die Wirkung des Films sind die Äußerungen
weniger rabiater Zeitgenossen: Kunden in Christusbetrieben, die „gar nicht
glauben“ können, dass „dieser nette Laden“ auch dazu gehöre; ein
Postbeamter, der einen Urchristen fragt, ob es stimme, dass er nur 200 Mark
erhalte; desgleichen betagte Eltern, die ihren längst erwachsenen Sohn
fragen, ob auch er wirklich nur 200 Mark erhalte und alles abliefern müsse.
Andere verstehen die Sendung als Aufforderung zur Selbstjustiz: In Darmstadt
wird ein Schaukasten des Universellen Lebens herausgerissen und
weggeschleppt, in Singen ein Schaukasten beschmiert, in Arnstein bei
Würzburg werden vor Häusern von Urchristen Autoreifen durchstochen, in
Michelrieth Antennen abgeknickt, auf dem Hof der urchristlichen Schule
werden Lampen eingeworfen.
Schwerer wiegen jedoch die unausgesprochenen Gedanken, die in den Köpfen
festgesetzten Vorurteile, die über Jahre hinweg ihre Wirkung behalten
können. Um diese zu verstärken, wird der Film über kirchliche und staatliche
Medienstellen bis heute [2003] überall verbreitet, in Schulen beim
Religionsunterricht gezeigt oder (wie in Würzburg) Pädagogikstudenten
empfohlen – und zwar teilweise bereits wenige Tage nach der Erstsendung, was
auf lange Vorplanung hindeutet. Hedda Coulon, Hausjuristin des Hessischen
Rundfunks, zeigt den Film persönlich im CVJM Aschaffenburg und wiederholt in
einem anschließenden Vortrag Behnks Verleumdungen.
462 Noch im Jahr 2002
bietet ihn der junge katholische Pfarrer des 2000-Seelen-Ortes Pöttmes
(Landkreis Aichach) seinen Pfarrkindern zum Verkauf an – weil er sich, so
sagen Ortskundige, offenbar durch die Bekämpfung der örtlichen Gruppe des
Universellen Lebens „höheren Orts“ „Pluspunkte“ verschaffen will.
Als die Urchristen sich durch die Fernsehsendung nicht einschüchtern lassen
und umgehend in Frankfurt Flugblätter verteilen, in denen sie die
Kirchenhörigkeit des Hessischen Rundfunks anprangern, stellen sich die
HR-Journalisten Taylan und Bremer im Bayerischen Rundfunk (13.12.93) als
„Verfolgte“ hin: In ihrer Wohngegend, einem kleinen Dorf, so beschweren sie
sich mit larmoyanter Stimme, seien Flugblätter verteilt worden, in denen sie
als „Volksverhetzer“ bezeichnet wurden. Da sind Inquisitoren und ihre
Handlanger äußerst empfindlich. Dass sie durch solche Aktionen (und nur
deshalb werden sie gemacht) ein wenig davon ahnen könnten, was sie anderen
antun, kommt ihnen dabei offenbar nicht in den Sinn.
Ähnliches gilt auch für Behnk selbst: Als Urchristen im Sommer 1996 in
seinem Wohnumfeld Flugblätter verteilen und seine Nachbarn auffordern, ihm
einmal wegen seiner Rufmord-Tätigkeit „ins Gewissen zu reden“, setzt er alle
Medienhebel in Bewegung, um sich gegen die „Verleumdungskampagne“ zu wehren.
Über den eigentlichen Hintergrund, die evangelische Schlammschlacht gegen
eine Minderheit, schweigt der Evangelische Pressedienst wohlweislich.
Ähnlich verhält es sich mit einem weiteren Vorfall: Nachdem vor
urchristlichen Einrichtungen und Privathäusern ständig gefilmt wird, stehen
eines Tages einige Kameraleute in Behnks Straße in München-Feldmoching, um
sein Haus zu filmen. Der Rufmordbeauftragte mokiert sich darüber – was
Inquisitoren mit anderen tun, darf noch lange nicht mit ihnen gemacht
werden. Doch wenige Tage später kreuzt er selber spät abends, mit einer
Videokamera ausgerüstet, vor dem Hof der Urchristen in Greußenheim
auf, um Frau Wittek zu „besuchen“. 463
Auf jeden Fall nützen Inquisitoren alle Kanäle, auch die neuen, privaten –
den Ketzern bleibt hingegen als Gegenöffentlichkeit meist nur das Verteilen
von Flugblättern. Behnk und seine Rufmord-Kollegen sind von den
ARD-Tagesthemen (z.B. 2.7.96) bis zum SAT 1-Frühstücksfernsehen (z.B.
12.10.94) überall zu sehen – und nur selten versäumen sie, auf das
Universelle Leben als „besonders gefährliche Sekte“ hinzuweisen. In fast
allen Talkshows von Hans Meiser (12.4.94, 4.3.96) über Ulrich Meyer
(11.10.94) und Fliege (14.12.94) bis hin zu Bärbel Schäfer (20.2.97) und
Arabella Kiesbauer (10.9.98) wird den Urchristen übel mitgespielt. Und
gleich, ob Sonnentempler* sterben (1994), die AUM-Sekte einen Anschlag in
der Tokioter U-Bahn unternimmt (1995) oder 50 „Heaven’s Gate“-Anhänger in
Kalifornien Selbstmord begehen (1997) – immer ist Behnk zur Stelle, um bei
diesen Gelegenheiten über einen möglichen Massenselbstmord der Urchristen zu
orakeln. Um sich juristisch abzusichern, bringt er vorneweg einen scheinbar
abwiegelnden Satz: „Ich will nicht behaupten, dass ein Massenselbstmord
unter den Wittek-Gläubigen wie jetzt in den USA bevorsteht“, sagt er z.B.
dem Stern (10.4.97). Aber dann sagt er’s doch: „Aber die UL-Führung treibt
möglicherweise auf einen Punkt zu, der nicht mehr kontrollierbar ist ... Die
spielen in gefährlicher Weise mit dem Feuer, weil sie Endzeitängste schüren
und geschickt Feindbilder aufbauen. Es ist so, als ob man mit einer
angezündeten Lunte in einem Sprengstoffschuppen nach dem Rechten sehen
würde.“ Der Stern übernimmt nur allzu gerne das Feindbild des „Pfarrers“,
der so virtuos mit dem Feuer der Emotionen des Publikums spielt, und
schlussfolgert, das Universelle Leben sei „Deutschlands gefährlichste
Sekte“. Was Behnk dann prompt wieder aufgreift und weiter verbreitet: „ ...
laut Stern die gefährlichste Sekte Deutschlands!“ Die Boulevardblätter wie
die Nürnberger Abendzeitung (12.4.97) bringen so etwas bereitwillig in ihre
Schlagzeilen: „Massen-Selbstmord? Fränkische Sekte außer Kontrolle“.
Andere Verleumdungsbeauftragte stoßen in dasselbe Horn, etwa Pastor Joachim
Keden von der lutherischen Kirche im Rheinland, der „vor einem kollektiven
Selbstmord von Sektenanhängern in Deutschland“ warnt und dabei das
Universelle Leben erwähnt 464. Oder Kurt-Helmuth Eimuth, lutherischer
Rufmordbeauftragter aus Frankfurt, der 1993 schreibt, das Drama von Texas
werde sich zwar „(hoffentlich) in Deutschland nicht wiederholen können. Und
doch gibt es auch hier religiöse Eiferer, deren Denken eine ähnliche
Struktur aufweist.“ 465 Zum Beispiel das Universelle Leben. Ein Jahr später
nennt er in einem Radiointerview Waco und Universelles Leben in einem
Atemzug: Er spricht über die „Angst in dieser Welt, nämlich dass alles
sowieso schief geht, dass diese Welt untergeht – so war es ja bei den
Davidianern, und so ist es heute beim Universellen Leben in Würzburg“.
466
Eimuth hat sich ansonsten ein spezielles Verleumdungsgebiet erschlossen: Er
schreibt ein Buch über „Die Sekten-Kinder“ und nützt für die Buchwerbung die
geballten Medien-Kontakte der lutherischen Kirche. „Fast 200 000 Kinder“
wachsen nach Eimuths Angaben in „Sekten“ auf, wo sie angeblich vielfältigen
Gefahren ausgesetzt sind – von Kindsmissbrauch durch katholische und
teilweise auch lutherische Geistliche ist hingegen mit keinem Wort die Rede.
Er behauptet, die Kinder von Urchristen dürften nicht mit anderen Kindern
„aus der bösen Welt“ spielen, „weil die einen verderben könnten“
467. Das
Gegenteil ist der Fall: In einzelnen Dörfern in der Umgebung Würzburgs
erlauben kirchliche Eltern ihren Kindern nicht, mit Kindern von Urchristen
zu spielen. Angeblich soll ein Kind von Urchristen Angst gehabt haben,
„verdammt zu sein“ – offenbar verwechselte man es mit einem katholischen
oder lutherischen Kind, wo die „ewige Verdammnis“ bis heute gültige
Glaubenslehre ist. Die Stoßrichtung ist klar: Die Kirchen fürchten um ihr
Monopol der Beeinflussung von Kindern – und sie können sich Kindererziehung
eben nur so vorstellen, wie sie es selber tun – mit Angst und
Schuldgefühlen. Und eben das unterstellen sie dann anderen.
Das gilt auch für Behnks Verleumdungen gegen die Urchristen. Um sie nicht
sogleich als solche erkennbar zu machen, wendet er einen Trick an: Er nimmt
Zitate aus urchristlichen Büchern und Schriften, schneidet ganz bestimmte
Stellen heraus, so dass der Zusammenhang nicht mehr zu erkennen ist, und
projiziert diese angeblichen „Original-Dokumente“ dann, z.B. bei einem
Vortrag, per Overhead-Projektor an die Wand. Bisweilen sind die dadurch
entstandenen raffinierten Verdrehungen, mit komplizierter intellektueller
Akrobatik und in hektischer Sprache vorgetragen, nur für ausgesprochene
Kenner der urchristlichen Lehre auf den ersten Blick durchschaubar. Einige
Beispiele mögen dies verdeutlichen:
Das „absolute Gesetz“: Gabriele schreibt im Vorwort zu dem Buch „Mit Gott
lebt sich’s leichter“ (http://www.das-wort.com/deutsch/bewusstes-leben/mit-gott-lebt-sichs-leichter.php), dass sie alles, was sie in diesem Buch niedergelegt
hat, „selbst erfahren, durchlebt und durchlitten“ hat. Sie fährt fort:
„Durch die herrliche Führung unseres Erlösers habe ich zum Ursprung der
Quelle gefunden, bin eingetaucht in die göttliche Liebe und Weisheit ...
Seine Gnade und Liebe führte mich. Ich bin in meinem Inneren geworden, was
ich war und in Seinen Augen ewig bin: das Absolute Gesetz selbst. Das Gesetz
der Liebe und Weisheit gibt als Wesen des Lichts, was es im Erdenkleid
erlebt, erfahren, verwirklicht und durchlitten hat. Erfüllt von Seinem
Geiste lebe und gebe ich.“ Wenn hier von einem „absoluten Gesetz“ gesprochen
wird, dann ist jedem unbefangenen Leser klar, dass es sich hier um ein
„Gesetz der Liebe und Weisheit“ handelt, das jeder Gott zustrebender Mensch
zunächst in sich verwirklichen kann und sollte, um es dann an andere
weiterzugeben.
Behnk reißt nun einen Satz („Ich bin in meinem Inneren geworden, was ich war
und in Seinen Augen ewig bin: das Absolute Gesetz selbst“) aus dem
Zusammenhang und leitet daraus ab, Gabriele stelle sich über ihre
Mitmenschen und beanspruche für sich persönlich eine absolute
Verfügungsmacht über andere Menschen. Eine diabolische Verleumdung – und
gleichzeitig eine typische Projektion kirchlichen Denkens: Ein kirchlicher
Inquisitor kann sich menschliche Gemeinschaft nur hierarchisch gegliedert
und mit klarer Befehlsgewalt von Seiten der Kirchenoberen vorstellen, wie
sie in Extremform im katholischen Dogma des Jurisdiktionsprimats des Papstes
(1870) zum Ausdruck kommt. 468
Gedankenstille: In dem Buch „Ursache und Entstehung aller Krankheiten“,
das Gabriele nach Überzeugung der Urchristen durch göttliche Offenbarung
empfing, ist gegen Ende eine „morgendliche Ausrichtung“ abgedruckt, mit der
sich z.B. ein kranker Mensch auf den Tag einstimmen kann. Nun neigen kranke
Menschen wohl eher als gesunde dazu, in Grübeleien oder Pessimismus zu
verfallen und sich mit negativen Gedanken zu quälen. Am Ende des meditativen
Textes erhalten sie deshalb in diesem Zusammenhang den Rat: „Rede wenig und
denke noch weniger! Sprich nur, wenn es wesentlich ist! Empfinde edel und
gut. Veredle dich!“
Behnk reißt nun wiederum nur einen Satz heraus („Rede wenig und denke noch
weniger“), verschweigt aber den gesamten Zusammenhang, verschweigt auch,
dass Urchristen in vielen Büchern und Schriften immer wieder zum Nachdenken
über ihr Leben und über ihren Anteil an den Geschehnissen des Alltags
angeregt werden, und folgert daraus, im Universellen Leben werde man
generell vom Denken abgehalten.
Dass ein Theologe und Inquisitor nichts vom „Stille-Werden“ versteht, wie es
Mystiker aller Religionen dem Menschen als spirituelle Übung nahe legen, ist
nicht verwunderlich. Das Resultat ist aber wiederum eine böswillige
Projektion: Die Kirche selbst ist es, die Menschen vom Nachdenken abhalten
will, insbesondere über die Widersprüche zwischen der Lehre des Jesus von
Nazareth und dem, was die Kirche daraus gemacht hat.
Distanzierung: Während des Golfkrieges 1991 brachten die Urchristen einige
Extrablätter heraus, in denen sie zu Frieden und Gewaltverzicht aufriefen
und darauf hinwiesen, dass Jesus von Nazareth Pazifist war. Sie
distanzierten sich von allen Regierungen und Machthabern, die sich zwar
christlich nennen, aber Bomben auf ihre Mitmenschen werfen lassen. Behnk
greift nun den Satz „Wir distanzieren uns“ heraus, ohne den Hintergrund des
Krieges zu erwähnen und folgert daraus, die Urchristen lehnten
andersgläubige Mitmenschen und insbesondere staatliche Einrichtungen aus
Prinzip rundweg ab.
Auch hier eine Projektion: Die Kirche hat den Staat immer für ihre Zwecke
benutzt – sich aber immer von ihm distanziert, sobald er nicht mehr nach
ihrer Pfeife tanzte.
Diese wenigen Beispiele mögen genügen – sie verdeutlichen das Prinzip. Aus
solchen Verdrehungen baut der Inquisitor Behnk sein Feindbild auf. Er
suggeriert den Zuhörern, nach urchristlicher Lehre solle die
„Persönlichkeit“ des Menschen „zerstört“ werden – und verschweigt, dass
(gemäß des Paulus-Wortes „Nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir“)
lediglich das ichbezogene, negative Verhalten und Denken erkannt, bereut und
bereinigt, also in Positives umgewandelt werden soll. Er suggeriert, dass
der im Universellen Leben verwendete Begriff „unpersönlich“ bedeute, dass
die Persönlichkeit des Menschen aufgelöst werden solle – obwohl er genau
weiß, dass dieser Begriff im Zusammenhang mit dem Inneren Weg ein
selbstloses, ausgewogenes, nicht nur auf einzelne Personen bezogenes oder
auf persönliche Vorteile bedachtes Verhalten anzeigt. Er suggeriert, dass es
im Universellen Leben keine Gnade und Vergebung gebe – das Gegenteil ist der
Fall. Er suggeriert, dass bereits den Kindern der urchristlichen Schule der
„Innere Weg“ gelehrt würde – obwohl dieser Weg erst im Erwachsenenalter (ab
18 Jahren) beschritten werden kann. Vor allem aber: Behnk hält über Jahre
hinweg bis heute an seinen nachweislich falschen Darstellungen fest und gibt
die falsche Münze seiner Verleumdungen weiter, obwohl er mündlich und
schriftlich immer wieder auf die wahren Sachverhalte hingewiesen wurde. Von
daher ist es gerechtfertigt, ihn als „Falschmünzer im Pfarrertalar“ zu
bezeichnen – und seinen Pfarrertitel, der ja ein gewisses moralisches Niveau
nahe legen soll, mit Anführungszeichen zu versehen. Die Leitung der
lutherischen Landeskirche in Bayern allerdings lobt ihn immer wieder wegen
seiner „seelsorgerischen Arbeit“ und befördert ihn zum Kirchenrat.
Nun könnte man fragen: Wie bringt es ein Pfarrer, der die Bibel kennt,
fertig, über Jahre hinweg gegen das achte Gebot zu verstoßen und seine
Mitmenschen ganz offensichtlich wider besseres Wissen immer wieder böswillig
zu verleumden? Ist ein solches Verhalten nicht dem Krankheitsbereich des
schizophrenen Formenkreises zuzuordnen?
Die Antwort könnte lauten: Er hat als lutherischer Pfarrer nun mal gelernt,
mit gehirnzerreißenden Widersprüchen zu leben. Hubertus Mynarek stellt in
seinem Buch „Die neue Inquisition“ 469 dar, wie Behnk in seiner
Promotionsarbeit 470 in den Abgrund des Gottesbildes Martin Luthers blickte:
Ein willkürlicher, ja bisweilen grausamer Gott, der selbstherrlich
beschließt, welcher Mensch zum Heil und welcher zur Sünde vorherbestimmt
sein soll. Luther bestritt dem Menschen rundheraus den freien Willen –
woraus man eigentlich folgern müsste, dass die Lehre Luthers mit dem
deutschen Grundgesetz, das von der Selbstbestimmung des mündigen Bürgers
ausgeht, nicht zu vereinbaren, also verfassungswidrig ist. Lutherische
Theologen lernen, diese Widersprüche zu vertuschen, zu verdrängen. Genau
das, was Luther dem Menschen abspricht: den freien Willen, spricht nun der
berufsmäßige Verunglimpfer Behnk im Auftrag seiner Kirche den
„Sekten“-Mitgliedern ab.
Mit seinem umfangreichen Arsenal an Verdrehungen und Verleumdungen tritt der
Inquisitor Behnk nun erneut in Aktion: Er versucht z.B. bei den Medien, bei
Behörden, bei Politikern bestimmte Einrichtungen der Urchristen
anzuschwärzen, etwa die Naturklinik (S. 294 ff.) oder die Schule (S. 356
ff.). Ein echter Rufmordbeauftragter kümmert sich aber auch um „kleinere
Fische“ – die „Ketzerei“ muss auch in scheinbaren Kleinigkeiten bekämpft und
beseitigt werden. Als etwa die Firma Gut zum Leben im Sommer 1996 beim
Bayerischen Rundfunk Werbung für ihre Produkte ausstrahlen ließ, rief Behnk
umgehend beim Sender an, um die weitere Ausstrahlung der Werbespots mit der
Behauptung zu unterbinden, bei der Firma handle es sich um eine „Sekte“, die
neben dem Brotverkauf die Kunden auffordere, zu Veranstaltungen des
Universellen Lebens zu kommen. Der staatliche Rundfunksender stornierte
daraufhin für eine Woche die Ausstrahlung, bis er davon überzeugt werden
konnte, dass er einer Lüge aufgesessen war: An den Markständen der Firma
wird niemand missioniert. Was Behnk natürlich wusste – die Stadt München
hatte es auf eine Anfrage der CSU hin für den Viktualienmarkt eindeutig so
festgestellt.
Doch Behnk gab sich noch lange nicht geschlagen: Er schrieb einen Brief an
den Intendanten, der eine erneute Einstellung der Werbung zur Folge hatte.
Kernstück der falschen Anschuldigungen in diesem Brief ist eine
Zitatenmontage aus dem Brief eines Urchristen an Pfarrer Behnk: Der Urchrist
hatte Behnk gefragt, wie er reagieren würde, wenn man z.B. über seine Frau
öffentlich sagen würde, sie würde von ihrem Mann „skrupellos und eiskalt
ausgenutzt. Sie ist nicht zur eigenen Meinung fähig und damit äußerst
selbstmordgefährdet“. Denn genau dies verbreitet Behnk immer wieder über die
Urchristen. Behnk ließ jedoch den einleitenden Satz („Würden Sie ruhig und
gelassen bleiben, wenn ich folgendes in der Presse veröffentlichen würde“)
einfach weg und tat so, als hätte der Urchrist ihn und seine Frau
tatsächlich so beschimpft.
Das ist berechnender, kaltblütiger Rufmord: noch die eigene Entlarvung als
Ausgangspunkt für die nächste Lüge zu nehmen. Behnk selber bezeichnet
übrigens indirekt sein eigenes Verhalten in seinem Brief an den Intendanten
als „kriminell“ – indem er denjenigen, der solche „Familienhetze“, wie sie
ihm vorgeblich widerfahren sei, an andere weitergebe, als “kriminell“
bezeichnet.
Erst mit Hilfe der Gerichte 471 war es schließlich nach Ablauf eines Jahres
möglich, die Rundfunkanstalt dazu zu zwingen, den abgeschlossenen Vertrag
einzuhalten. Doch Behnk brachte jetzt seinerseits den Sender dazu, am Tag
der erneuten Ausstrahlung der Produktwerbung eine Meldung auszustrahlen, mit
der die Werbung konterkariert wurde:
„Der Bayerische Rundfunk muss gegen seinen Willen einen Werbespot einer
totalitären Sekte ausstrahlen. BR-Sprecher Tief sagte, der Sender sei durch
ein Urteil des Oberlandesgerichtes München verurteilt worden, die Spots des
Werbeträgers Gut zum Leben auszustrahlen. Dahinter stehe die Sekte
Universelles Leben, die nach Einschätzung des evangelischen
Sektenbeauftragten hilfesuchende Menschen abhängig machen und ihnen die
Freiheit zu Kritik und Gewissensbildung nehmen will.“
Es ist wie im Mittelalter: Wer die Anweisungen eines Inquisitors nicht
befolgt, muss sich dafür rechtfertigen – weil er sonst unweigerlich selbst
in die Schusslinie gerät. Dass ein solch geschäftsschädigendes Verhalten in
das 20. Jahrhundert und in das heutige Vertragsrecht nicht hineinpasst und
daher nicht wiederholt werden darf, musste wiederum durch einen
Gerichtsbeschluss 472 festgestellt werden.
Wenn es der religiösen „Konkurrenz“ schadet, schreckt ein
Rufmordbeauftragter vom Schlage eines Behnk auch nicht vor der Vernichtung
von Arbeitsplätzen zurück. Im Mai 1997 schafft er es, in der Fachzeitschrift
Medical Tribune einen Artikel über die von Urchristen betriebene EDV-Firma
EDV für Sie unterzubringen. Diese kleine Firma betreute unter anderem 400
Arztpraxen in Unterfranken – im Auftrag des Hannoveraner
Software-Unternehmens Medi-Star. Unter der vielsagenden Überschrift „Können
Psychosekten in der Praxis-EDV spionieren?“ streut nun Medical Tribune,
unter ausdrücklicher Zitierung Behnks, den Verdacht aus, die EDV-Fachleute
könnten Daten aus den Arztpraxen zu Missionierungszwecken missbrauchen –
wofür es keinerlei Anhaltspunkte gibt!
Nun beginnt das übliche Medien-Täuschungsspiel: Die Verdächtigung, die er
selbst in die Welt gesetzt hatte, griff Behnk alsbald als scheinbare
Nachricht von „unabhängiger“, dritter Seite wieder auf und verbreitet die
Anwürfe des Medical Tribune als Pressemeldung der evangelischen Landeskirche
in Bayern, nicht ohne scheinheilig hinzuzufügen: „Der Bayerische
Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche, Wolfgang Behnk, begrüßte die
Aufklärungsarbeit von Medical Tribune. Behnk betonte, dass die Vorgänge
nicht nur die Medizinerschaft, sondern gerade auch die Patienten betreffe.
Immerhin ... handle es sich beim UL um ‚Deutschlands gefährlichste Sekte’
(Stern), die aufgrund gerichtlicher Entscheidungen als eine ‚totalitäre’
Organisation bezeichnet werden darf, durch die Hilfesuchende in geistige,
psychische und materielle Abhängigkeit gebracht würden. ... Der von Medical
Tribune vorgetragenen Sorge wegen möglicher ‚EDV-Spionage’ durch eine
Psychosekte müsse ... durch geeignete Schutzmaßnahmen Rechnung getragen
werden.“ 473
In einem Interview mit Antenne Bayern (25.5.97) wird der „Pfarrer“
deutlicher und erklärt, was er unter dem schön klingenden Wort
„Schutzmaßnahmen“ versteht: „ ... und da sollte sich die Ärzteschaft
überlegen, ob sie solche Organisationen an die intimen Patienten- und
Abrechnungsdaten heranlassen will.“
Bezüglich der Ärzte hatte Behnk sich zwar verrechnet – sie vertrauten mit
überwältigender Mehrheit ihren langjährigen Betreuern und hätten deren
Dienste gerne noch länger in Anspruch genommen. Doch die durch Behnks
Wühlarbeit losgetretene Presselawine überrollte die Software-Firma in
Hannover, die aufgrund des kirchlich erzeugten öffentlichen Drucks schweren
Herzens den Vertrag mit EDV für Sie kündigte. Zehn Mitarbeiter standen auf
der Straße.
Der Versuch, von der Zeitschrift Medical Tribune und der lutherische Kirche
für diesen Skandal wenigstens Schadensersatz zu bekommen, scheiterte bis zur
Stunde an offenbar hochgradig kirchenhörigen Richtern. Während das
Landgericht Hamburg Ende 1997 noch feststellte, dass es sich bei dem
auslösenden Artikel „um schadensersatzpflichtige Geschäftsschädigungen
handelt, da keinerlei Anhaltspunkte für den geäußerten Verdacht gegeben
waren“ 474, sahen das Oberlandesgericht Hamburg sowie zwei Münchner
Gerichte 475 die fraglichen Verdächtigungen als „Meinungsäußerung“ an. „Das
Ergebnis dieser Rechtsauffassung“, so der Anwalt Dr. Christian Sailer, „ist
besorgniserregend: Wer von den Kirchen wegen seines Glaubens als gefährlich
bezeichnet wird, sollte beruflich nicht mehr in ‚hochsensiblen Bereichen’
tätig werden, da ihn die Kirchen von dort ohne weiteres vertreiben dürfen.“
476
Die Vernichtung von „ketzerischen“ Arbeitsplätzen gehört sicherlich zu den
besonderen Momenten im Arbeitsalltag eines Inquisitors. Wie sonst die
tägliche Verleumdungs-„Arbeit“ aussieht, kann man ein wenig anhand des
folgenden Vorfalls erahnen, für den sich ein Zeuge verbürgt:
In einer südwestdeutschen Großstadt ist in der Stadthalle ein Vortrag über
„Ganzheitsmedizin“ angekündigt, den Ärzte der Naturklinik Michelrieth halten
werden. Am Tag vor dem Vortragsabend klingelt bei dem für die Vergabe der
Stadthalle zuständigen Beamten das Telefon. Es meldet sich ein Herr Behnk.
Er wolle die Stadt „warnen“: Hinter dem Vortrag stünde eine „gefährliche
Vereinigung“, das Universelle Leben. Auch die Bayerische Staatsregierung
habe ihm das im wesentlichen bestätigt.
Behnk hat in diesem Fall jedoch Pech: Der Beamte hatte über seine Sekretärin
zufällig eine Sondernummer des Christusstaat in die Hand bekommen, in
welcher der fragliche Bericht der Bayerischen Staatsregierung – der
keineswegs Behnks Verleumdungen bestätigte 477 – wörtlich abgedruckt war.
Mehr als diese Lüge störte den Beamten jedoch das unangenehm fanatische und
erregte Auftreten des Kirchenvertreters. Er schilderte hinterher, wie sehr
ihn dieses unfaire Vorgehen betroffen gemacht habe.
Als der Beamte dem Kirchenvertreter nicht zu Willen war, versucht Behnk ihn
einzuschüchtern. Er verlangt nun den Vorgesetzten, die Oberbürgermeisterin,
zu sprechen. Doch die Stadt ließ sich nicht beirren – der Vortrag fand
statt.
Wenn man die Vielzahl von Fällen betrachtet, in denen den Urchristen – meist
ohne Angabe von Gründen – Säle verweigert oder wieder abgesagt wurden (S.
405 ff.), so kann man erahnen, in wie vielen Fällen ein solches Vorgehen
mehr Erfolg hatte.
In einem anderen Fall rastete Behnk gegenüber einem ihm unbotmäßigen
Stadtoberhaupt sogar in aller Öffentlichkeit aus. Bei einem Vortrag in der
Auferstehungskirche von Lohr am Main beschwerte sich Behnk im Juli 1997
öffentlich über den Marktheidenfelder Bürgermeister Leonhard Scherg, weil
dieser eine Ansiedlung von Betrieben der Urchristen im Ortsteil Altfeld
nicht verhindert habe 478. Als Scherg klarstellt
479, dass die Grundstücke von
privat verkauft wurden und die Stadt nach geltendem Recht keine
Einspruchsmöglichkeit hatte, tritt Behnk in einem Leserbrief
480 noch einmal
nach. Um Schergs angebliche Unfähigkeit zur Umsetzung kirchlicher Wünsche
plakativ darzustellen, rühmt er die „informative“ und „sachgerechte“
Verhinderung der Ansiedlung der Urchristen auf dem Würzburger Heuchelhof
(vgl. S. 220 ff.) – Ehrabschneider lieben eben solche Kampagnen! Scherg
kündigte daraufhin eine Dienstaufsichtsbeschwerde
481 gegen Behnk bei der
lutherischen Kirche an.
Besser auf der Kirchenlinie lagen die Landwirtschaftsämter
Aschaffenburg/Karlstadt und Würzburg, als sie im März 1998 die Anträge
zweier urchristlicher Bauernhöfe auf Fördermittel im Rahmen des Bayerischen
Kulturlandschaftsprogramms ablehnten – indem sie sich auf die „wehrhafte
Demokratie“ beriefen und darauf, dass „Pfarrer“ Behnk sich laut
Gerichtsbeschlüssen im Rahmen der Meinungsfreiheit ungestraft über die
angebliche psychische, materielle und geistige Abhängigkeit der Urchristen
verbreiten dürfe. Tilmann Toepfer von der Main-Post (8.5.98) drückte es so
aus: „Die Landwirtschaftsämter argumentieren jetzt, die totalitäre Struktur
des UL verbiete eine Förderung. ... Der Gleichheitsgrundsatz gehe nicht so
weit, dass der Staat seine Feinde auch noch finanzieren müsse.“ In Focus
(26/98) stand zu lesen: „Bayerische Behörden zweifeln an der
Verfassungstreue des Universellen Lebens ... Der Grundsatz der wehrhaften
Demokratie gebiete es nicht, ‚den Staat seinen Feinden auszuliefern.’“
So können also ökologische Landwirte, die sich nichts haben zu Schulden
kommen lassen, über Nacht zu „Staatsfeinden“ werden – nur weil sich ein
lutherischer Pfarrer seine Lügen und Verleumdungen von den Gerichten als
„zulässige Meinungsäußerungen“ absegnen lässt. Und weil der demokratische
Staat alles andere als „wehrhaft“, sondern ganz im Gegenteil zu feige ist,
den verfassungsfeindlichen Ausgrenzungsforderungen der Großkirchen energisch
die Stirn zu bieten.
Wo es hingegen um kirchliche Vereinigungen geht, ist dasselbe Ministerium
überaus großzügig. Jahrelang gewährte das Landwirtschaftsministerium den
„katholischen Dorfhelferinnen“ Subventionen in Millionenhöhe, obwohl es an
einem „Verwendungsnachweis“ fehlte, wie der Bayerische Rechnungshof
kritisierte. Insgesamt kamen in dem erst 1999 aufgedeckten Skandal über 20
Millionen Mark an erschwindelten Zuschüssen und hinterzogenen Steuern
zusammen. 482
Doch nicht immer erliegen staatliche Organe den kirchlichen Pressionen. Das
Würzburger Verwaltungsgericht hob am 14.4.99 die Ablehnungsbescheide der
Landwirtschaftsämter auf, indem es auf Tatsachen hinwies, die den Behörden
längst bekannt sein mussten: Dass das Universelle Leben nachweislich „kein
Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes“ ist. Dass es „keine Anzeichen
dafür gebe, dass innerorganisatorische Grundsätze aus dem Bereich des
Gemeinschaftslebens auf den staatlichen Bereich übertragen werden sollen.“
Dass „den bayerischen Behörden derzeit keine tatsächlichen Anhaltspunkte für
politisch motivierte Bestrebungen gegen die freiheitlich-demokratische
Grundordnung durch das Universelle Leben vorliegen“.
483 Aber was zählt das
alles, wenn ein „Pfarrer“ von der Medien-Kanzel sein Verdammungsurteil
spricht?
Christian Sailer weist nach
484, dass die irreführenden Behauptungen Behnks
über die Urchristen ähnlich wie in diesem Beispiel auch in vielen anderen
Fällen zu Rechtsverstößen und Diskriminierungen geführt haben: zu
Saalabsagen, Anzeigen-Verweigerungen, zu Mobbing, Boykottaufrufen
485 bis hin
zur Aufnahme des Universellen Lebens in staatliche „Sektenberichte“.
486
Zahlreiche „Kollegen“ Behnks verwenden seine vorgefertigten
Zitaten-Collagen, so z.B. der Würzburger Rufmordbeauftragte Alfred Singer,
um damit über die Urchristen in öffentlichen oder handverlesenen
Veranstaltungen herzuziehen. Andere Kollegen greifen die Verleumdungen
bereitwillig auf und fügen ihnen neue hinzu – so wie Pastor Wolfgang Reich
aus Norddeutschland, der sich 1993 auf dem Evangelischen Kirchentag in
München bei einem Vortrag Behnks wie auf Bestellung zu Wort meldete und
behauptete, er kenne jemand, der sein gesamtes Erbe in das Heimholungswerk
habe einbringen müssen und der jetzt keinen Kontakt mehr zu seinen Kindern
haben dürfe. Obwohl es so etwas nicht gibt, antwortete Behnk, er erhalte
„immer wieder“ ähnliche Erfahrungsberichte. Als anwesende Urchristen den
„Fragesteller“ dazu aufforderten, Namen zu nennen und Beweise für diese
Anschuldigung zu erbringen, wurde dies vom Publikum mit Gelächter quittiert.
Als die Urchristen daraufhin die Polizei riefen, um wenigstens die
Personalien des Anschwärzers feststellen zu lassen, wurde dies von
anwesenden Kirchenvertretern in theatralischer Weise als
„Einschüchterungsversuch“ und „Einschränkung der freien Meinungsäußerung“
bezeichnet – und der Evangelische Pressedienst verbreitete mit gespielter
Empörung die Meldung, dass die Polizei „auf den Wink einer Sekte“ reagiert
habe. 487 (Solche „Winke“ darf in unserem Staat eben nur einer geben: die
Kirche!) Die Polizei kam zwar und nahm die Personalien des
Verleumdungsgehilfen auf – doch die Urchristen erhielten sie nicht.
Angeblich waren sie wenige Tage später bereits „unauffindbar“. Die Kirche
kann also beruhigt sein: Auch die Polizei spurt noch! Als der Name des
Pastors zwei Jahre später durch Zufall bekannt wurde, war es für eine
Klärung des Vorfalls längst zu spät.
Auch zahlreiche Journalisten wie z.B. Holger Reile vom Südkurier
(5.1.95)
greifen Behnks Verleumdungen begierig auf und verbreiten ihre Artikel auch
in anderen Zeitungen.
Doch der Ungeist in „Pfarrer“ Behnk lässt diesem keine Ruhe. Wer durch die
Abwertung anderer ständig Aufwertungs-Energie erhält, der leidet nicht
selten unter einem Sucht-Phänomen. Wer anderen ständig vorwirft, zu keiner
„Gewissensbildung“ mehr fähig zu sein, der hat vermutlich sein eigenes
Gewissen längst abgetötet. Wie anders ist es zu erklären, dass „Pfarrer“
Behnk eines Tages in Pfarrerskleidung im Wohnort von Gabrieles Familie, der
schwäbischen Kleinstadt Wertingen, auftaucht, um sich dort bei Verwandten
nach den längst verstorbenen Eltern Gabrieles zu erkundigen. Will er immer
neues Verleumdungsmaterial heranschaffen, neue Verdrehungen und
Verdächtigungen konstruieren, will er noch weiter Karriere machen? Sein
Verhalten hat jedenfalls zur Folge, dass Gabriele ihre nächsten Verwandten
und das Grab ihrer Eltern nicht mehr besuchen kann, weil ihre Verwandten
endlich Ruhe vor den ständigen Anfeindungen und Gesprächen haben wollen.
Auch das ist „Pfarrer“ Behnks Werk, bis heute gedeckt von seinen kirchlichen
Vorgesetzten, den jeweiligen bayerischen Landesbischöfen Johannes Hanselmann
(bis 1994), Hermann von Loewenich (1994-99) und Johannes Friedrich (seit
1999).
Link:
Besprechung der Promotion von Dr. Wolfgang Behnk in "Der Theologe Nr. 1"
Der gefälschte Christus. Wer folgt Martin Luther
nach und wer folgt Jesus von Nazareth nach?
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