Das Buch

 

Der Steinadler und sein Schwefelgeruch
- Das neue Mittelalter

Buch, 464 Seiten, gebunden,
mit zahlreichen Abbildungen
Euro 14,90, SFr 26,80 + Versand
ISBN 978-3-9808322-3-6

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Verlag Das Weisse Pferd:
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DER STEINADLER
UND SEIN KIRCHLICHER SCHWEFELGERUCH

Zur Einführung

Scharfe Augen hat er, der Adler. Er sieht genau, was sich auf seinem Territorium abspielt. Er beschützt seine Jungen und versorgt sie mit Nahrung. Er ist jederzeit bereit, einzugreifen, wenn ihnen Gefahr droht.

Ist der Adler deshalb das Wappentier vieler Staaten geworden, auch des deutschen Staates? Karl der Große übernahm den Adler als Sinnbild der kaiserlichen Gewalt von den römischen Truppen, Kaiser Friedrich Barbarossa setzte ihn ins Reichswappen des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“. (Von beiden Kaisern wird in diesem Buch noch die Rede sein.) Sowohl für Österreich-Ungarn (zwei Köpfe) als auch für Preußen (ein Kopf) war der Adler das Symbol staatlicher Macht. In der Demokratie steht diese Staatsmacht für die Einhaltung der Menschenrechte und die Gleichbehandlung aller Bürger.

Doch was ist, wenn der Staatsadler seiner Aufgabe nicht mehr nachkommt, für seine Bürger zu sorgen und sie gerecht zu behandeln? Wenn der Steinadler sich von anderen Vögeln – vielleicht: von schwarzgefiederten – beeinflussen lässt und beginnt, Steine auf bestimmte seiner Kinder zu werfen? Zum Beispiel auf die, die etwas anderes denken und glauben als das „Übliche“?

Dann wird er womöglich von der Kirche der Schwarzgefiederten selig gesprochen. Und zum Dank dafür darf er dann auch den schwarzen Vögeln einen guten Teil des Futters überlassen, das er von den Steuerzahlern erhalten hat.

Nicht umsonst war der Adler bereits auf den römischen Feldzeichen abgebildet. Denn schon seit römischen Zeiten beeinflusst die Kirche den Staat und drängt ihn z.B. dazu, gegen die „Ketzer“ vorzugehen. Diese Zusammenarbeit klappt auch heute noch vorzüglich. Im Februar 2001 fuhren der deutsche Innenminister Otto Schily und der deutsche Außenminister Joschka Fischer (ein ehemaliger Ministrant) nach Rom, um dort an der feierlichen Amtseinführung neuer – vor allem auch deutscher – Kardinäle teilzunehmen. Dieser Besuch beim Papst sei „Ausdruck der guten, partnerschaftlichen Beziehungen der Bundesregierung zu den Kirchen“ – so das offizielle Dossier aus dem Innenministerium. Der Papst seinerseits hatte am Weihnachtstag 2000 einmal mehr zur „weltweiten Achtung der Menschenrechte“ aufgerufen, zu denen, so hat er es z.B. in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 1999 präzisiert, „die Religionsfreiheit“ gehöre.

Schöne Worte, schöne Gesten: Schily und Fischer fahren nach Rom, verneigen sich vor dem Papst – und zu Hause verfolgen die Katholiken und die Lutheraner Andersgläubige, bezeichnen sie – mit staatlicher Unterstützung – als „Sektierer“. Sorgen dafür, dass „solche Leute“ keine Säle mieten, keine Zeitungsanzeigen schalten können, dass sie Schwierigkeiten bekommen, eine Wohnung zu mieten, dass manche von ihnen ihren Arbeitsplatz verlieren, dass ihre Kinder als „Sektenschweine“ beschimpft werden ...

Wie haben die Kirchen das geschafft? Wie haben sie es nicht nur geschafft, dass der Staat ihnen bei der Verfolgung Andersgläubiger behilflich ist – sondern auch, dass die „normale“ Öffentlichkeit dieses scheinheilige Gebaren, dieses Auseinanderklaffen von schönen Worten und weniger schönen Taten, ganz normal findet? Dass vielen gar nicht auffällt, dass etwas faul ist im Lande des Steinadlers? Dass sie den stechenden Schwefelgeruch gar nicht bemerken, den der Adler annimmt, wenn er tut, was die Schwarzgefiederten wollen?

Um diese Frage zu beantworten, werden wir Staat und Kirche einmal auf die Finger schauen – vom Jahre Eins bis zum Jahre Zweitausenddrei. Die letzten 20 Jahre werden exemplarisch am Beispiel einer Glaubensgemeinschaft dargestellt, die nach Meinung der Kirchen zu den „gefährlichsten“ in Deutschland zählt: die Urchristen im Universellen Leben. Gefährlich sind sie ja tatsächlich, die Urchristen, soviel sei schon verraten – gefährlich für die Amtskirchen, weil die Urchristen aufdecken, wie die Verhaltensweisen und Ziele der kirchlichen Institutionen wirklich sind: alles andere als christlich ...

 

 

Vorwort für Akademiker und Kirchenchristen

(Nicht zu lesen von Nicht-Akademikern und aus der Kirche Ausgetretenen)

Nachdem Karlheinz Deschner (mit dessen Titanen-Arbeit ich das vorliegende Buch keineswegs vergleichen möchte) damit begonnen hatte, die „Kriminalgeschichte des Christentums“ zu schreiben, wurde ihm von kirchlicher Seite sehr rasch der Vorwurf der „Einseitigkeit“ gemacht. Doch keiner konnte ihm bisher historische Fehler oder falsch dargestellte Fakten – von belanglosen Einzelheiten abgesehen – nachweisen.

Allein die Tatsache, dass jemand nicht in den Chor der staats- und kirchentragenden Historiker einstimmt, genügt immer noch, ihn abzulehnen, in der Regel mit dem wohlfeilen Argument mangelnder Wissenschaftlichkeit.

Das vorliegende Buch wurde nicht von einem Historiker geschrieben, sondern von einem Anhänger einer verfolgten religiösen Minderheit. Wer Ungerechtigkeiten anprangert, der wird in den Augen derer, die diese Ungerechtigkeiten verursacht haben, immer „einseitig“ sein. Doch wer sonst hätte dieses Buch schreiben sollen, wenn nicht ein Betroffener? Oder sollten die Betroffenen, die Ausgegrenzten, so lange warten, bis ein „objektiver“ Historiker sich ihres Themas irgendwann erbarmt – vielleicht in hundert Jahren?

Eine objektive Geschichtsschreibung gibt es jedoch nicht.1 Und warten kann das Thema auch nicht – im Gegenteil. Es müsste all jenen unter den Nägeln brennen, denen unsere Demokratie und die darin garantierten Menschenrechte am Herzen liegen. Soviel zum akademischen Aspekt der „Ausgewogenheit“.

Aber auch wenn (oder vielmehr: gerade wenn) die im vorliegenden Buch vorgelegten Fakten nicht widerlegt werden können – wer es kann, soll es bitte tun –, so wird es vermutlich wieder Stimmen von Katholiken und Protestanten geben, die sagen: „Die Fakten sind ja unbestreitbar. Aber der Ton ...! So ein Hass gegen die Kirche! Dabei gibt es doch in der Kirche so viel Gutes!“

Was den Ton angeht: Wem der Text gelegentlich etwas ironisch erscheint, der nehme dies als kleine Lesehilfe. Denn vielleicht geht es dem Leser wie dem Autor: Mit wirklich schlimmen Sachen kann man sich auf die Dauer nur mit einer gewissen Distanz befassen. Sonst hält man es kaum aus.

Im übrigen kann ich Sie, werter Leser, schon im Vorhinein beruhigen (oder – je nachdem – beunruhigen): Ich hasse die Kirche nicht. Und die Gläubigen erst recht nicht. Ich war schließlich selbst bis zu meinem Kirchenaustritt im 26. Lebensjahr ein braver Katholik. Ich weiß, wie sich das anfühlt. Ich weiß, dass es in den Kirchen viele Menschen gibt, die sich ehrlich bemühen, die Lehre des Jesus von Nazareth in ihrem Leben umzusetzen. Aber die Kirche selbst, das System Kirche? Und genau darum geht es nicht zuletzt in diesem Buch: Was hat das, was die Kirche seit Jahrhunderten mit religiösen Minderheiten anstellt, mit der Lehre des Nazareners zu tun? Das vorliegende Buch zeigt, dass weder die Inquisition im Mittelalter noch die heutige Ausgrenzung nicht-kirchlicher Glaubensgemeinschaften gelegentliche Ausrutscher sind. Es handelt sich hingegen um den Normalfall. Und was das viele Gute betrifft, das es innerhalb der Kirche ohne Zweifel gibt: Wer trägt es denn in diese Institution hinein? Die Kirchenoberen - oder die Menschen, die ehrliches Engagement, ihre Arbeitskraft oder ihre Kirchensteuern über Jahrzehnte dort einbringen, in dem naiven Glauben , das sei Gottes Wille.

Ein nachdenklicher Kirchenchrist könnte weiter fragen: Was haben denn die Lehrsätze, die Gebräuche, die Verhaltensweisen der offiziellen Kirchenvertreter mit der ursprünglichen Lehre des Jesus von Nazareth zu tun? Doch ob er sich diese Frage stellt, sei jedem selbst überlassen. In der Bibel selbst findet sich die klare Auforderung, wie mit einer veräußerlichten Machtkirche umzugehen ist: „Tretet aus von ihr, mein Volk“, heißt es da, „damit ihr ihrer Sünden nicht teilhaftig werdet und von ihren Plagen nichts mitbekommet!“ (Off 18,4)

Marktheidenfeld, im August 2003

Der Autor

1 vgl. dazu: Karlheinz Deschner, „Kriminalgeschichte des Christentums, Band 1, S. 11 ff, sowie Bd. 5, Editorial

 

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