Buchbesprechung
 

Seit 2000 Jahren
Kirche bedient sich des Staates
zur »Ketzerbekämpfung«

 

»Gehe hinaus und kehre nicht wieder – kehre nie wieder – nie, nie!« Das sind die letzten Worte des Großinquisitors an Jesus von Nazareth, der es gewagt hatte, nach 1500 Jahren noch einmal zurückzukommen.
Was Dostojewski in seiner Novelle »Der Großinquisitor« beschrieb, ist nicht auf das Mittelalter beschränkt. Zu allen Zeiten gab es Menschen, die das ursprüngliche Christentum wieder beleben wollten. Und zu allen Zeiten erging es ihnen ähnlich. Konnte man da etwas anderes erwarten, als vor rund 25 Jahren die Urchristen im Universellen Leben an die Öffentlichkeit gingen und dazu einluden, das Prophetische Wort zu hören und ein Leben nach der Bergpredigt und den Zehn Geboten zu führen?
In seinem Buch »Der Steinadler und sein Schwefelgeruch – das neue Mittelalter« beschreibt der Journalist Matthias Holzbauer, was zu Beginn der achtziger Jahre geschah: wie die beiden Großkirchen versuchten, das junge Pflänzchen Universelles Leben möglichst schnell zu zertreten. Er beschreibt aber auch die Vorgeschichte, indem er einen weiten Bogen spannt von der Verfolgung der »Sekte des Nazareners« bis heute.

Denn seit nunmehr 2000 Jahren, so die Kernthese des Buches, nimmt die Priesterkaste die Hilfe des Staates in Anspruch, wenn es gilt, das Urchristentum zu bekämpfen. Schon die damalige Priesterkaste setzte den römischen Statthalter unter Druck, indem sie Jesus von Nazareth als politischen Aufrührer hinstellte und denunzierte. Später waren es die römischen Prälaten, die Roms Kaiser gegen alle möglichen »Häresien« aufhetzten, ihnen Sondergesetze in die Feder diktierten. Den Höhepunkt ihrer Macht aber erreichten die Kirchenhierarchen im Mittelalter, als sie selbst weltlichen Fürsten den Ausschluss aus der Gesellschaft androhen konnten, wenn sie nicht eifrig genug die »Ketzereien« verfolgten.
Zwar kann die Kirche heute keine Scheiterhaufen mehr anzünden. Doch sehr augenfällig sind die Parallelen zwischen dem Mittelalter und heute, wenn es um den Kampf der Großkirchen gegen religiöse Minderheiten geht und den klerikalen Druck auf Politiker und Medien, den kirchlichen Vernichtungswillen zu vollstrecken. Das Mittelalter mit seiner Angst vor Folter in dieser und Höllenstrafen in jener Welt scheint überraschend vielen noch in den Knochen zu stecken.

Kollektive Vergesslichkeit

In einem eigenen Kapitel geht Holzbauer der Frage nach, wie es möglich war, dass nach dem letzten Weltkrieg in Deutschland trotz einer hervorragenden Verfassung, dem Grundgesetz, sich die alten Mechanismen der Manipulation des Staates, dessen Symbol der Adler ist, zur Ausgrenzung von Minderheiten wieder neu etablieren konnten. Der erste Schritt dorthin war die geschickte Verdrängung der Kollaboration der Kirchen mit dem Hitlerregime aus dem kollektiven Gedächtnis. Dieser »nahtlose Übergang vom Kollaborateur zum Immer-schon-dagegen-Gewesenen« sei wohl »nur durch ein gerüttelt Maß an kollektiver Vergesslichkeit und wohl auch unbewusster Kumpanei weiter Bevölkerungskreise zu erklären«.
Seit den siebziger Jahren waren sie dann wieder voll aktiv: die neuen Inquisitoren, auch »Sekten-Beauftragte« genannt, die ihre Kontakte zu Politikern, Behörden und Massenmedien intensiv spielen ließen, um alle »konkurrierenden« religiösen Gruppierungen ins öffentliche Abseits zu stellen. Als die Urchristen an die Öffentlichkeit traten, war dieser »Apparat« der modernen Inquisition bereits eingespielt und die Verleumdungsmaschinerie lief wie geschmiert.
Insbesondere drei dieser »Sektenbeauftragten«, die man besser »Rufmordbeauftragte« nennen sollte, waren es, die eine Ausbreitung des neuen Urchristentums unter allen Umständen zu verhindern suchten. In der Anfangszeit war es der Würzburger Rufmordbeauftragte Graf Magnis, der mit frei erfundenen Skandalgeschichten, mit manipulierten Gutachten und falschen Zitaten den Urchristen das Wasser abgraben wollte. Nicht ohne Erfolg: Im vereinten Kesseltreiben von Kirchen, kirchenhörigen Politikern und ebensolchen Medienvertretern gelang es beispielsweise 1985, eine Gewerbeansiedlung von urchristlichen Betrieben auf dem Würzburger Heuchelhof zu verhindern. Zur Seite stand Magnis der lutherische »Altmeister« der Verleumdung religiöser Minderheiten, Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack aus München, der bei einem Schweigemarsch der Urchristen 1988 wörtlich sagte: »Im Mittelalter wären wir anders mit euch umgesprungen.« Sein Nachfolger, der lutherische Kirchenrat und Pfarrer Wolfgang Behnk, setzte die Verleumdungsarbeit Haacks nahtlos fort und brachte sie zudem 1993 durch die perfide Verdächtigung eines angeblich drohenden »Massenselbstmords wie in Waco« sogar noch auf die bundesweite Bühne.

Anhand konkreter Beispiele wird geschildert, wie Betriebe und Sozialeinrichtungen der Urchristen – Marktstände, Schule, Klinik, Bauernhöfe – bis heute diskriminiert, bekämpft und behindert werden. Es wird dokumentiert, wie Politiker aller Parteien für die Bekämpfung und Verleumdung des Universellen Lebens rekrutiert und manipuliert werden. Und zugleich werden die praktischen Auswirkungen solcher Dauer-Kampagnen aufgezeigt: von heuchlerischen Mitleidsbekundungen (»Ihr müsst ja alles abgeben!«) bis hin zu schweren Beleidigungen und Drohungen; Ausbrüche von äußerer Gewalt wie eingeschlagene Scheiben, umgehauene Feldkreuze oder eine angezündete Strohernte; nicht zuletzt zerstörte berufliche Existenzen, die man als Berufsverbote bezeichnen muss.
Dieses Buch ist nicht nur eine aktuelle Chronik der Verfolgung einer religiösen Minderheit mit schier unglaublichen Details und Winkelzügen kirchlicher Verleumdungs-«Arbeit«. Es ist auch eine Warnung. Denn erst in der historischen Perspektive, im Vergleich zwischen dem Mittelalter und heute, wird deutlich, dass die sich »christlich« nennenden Großkirchen sich im Kern nicht geändert haben. Bis heute trachten sie danach, jede religiöse Bewegung, die zur Wahrheit des Jesus von Nazareth zurückkehrt, erbittert zu bekämpfen und, wo immer möglich, im Keim zu ersticken. Jeder Staatsbürger, der das Buch liest, kann an ihm seine Sinne schärfen für ein verkanntes Problem unserer Tage: die Toleranz, die man Ausländern, Behinderten, Homosexuellen und anderen Minderheiten mit Recht zubilligt, wird religiös Andersdenkenden noch immer verweigert.

Doch das Friedensreich, das Jesus angekündigt hat, so klein der Keim auch noch sein mag, entsteht, und das Kleinlich-Gestrige wird es nicht aufhalten.

Matthias Holzbauer: »Der Steinadler und sein Schwefelgeruch. Das neue Mittelalter. Die Verfolgung religiöser Minderheiten in der Geschichte – die Verfolgung der Urchristen im Universellen Leben heute«, 464 S., geb., zahlreiche Abbildungen, Verlag Das Weiße Pferd 2003, € 14,90 zu bestellen über die Redaktion, Tel. 09391/504-207


 
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