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Dr. jur. Christian Sailer
Dr. Sailer, Dr. Hetzel - Max-Braun-Str. 2 - 97828 Marktheidenfeld-Altfeld Herrn 13. Mai 2005 Magazin "Monitor"
Sehr geehrter Herr Intendant, namens der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben habe ich Veranlassung, Sie in obiger Angelegenheit dringend um Ihre Aufmerksamkeit für die gegenwärtige Arbeitsweise Ihrer "Monitor"-Redaktion zu bitten. Obwohl ich seit über 40 Jahren als Anwalt mit einer Vielzahl von Journalisten zu tun habe und seit 10 Jahren als Sprecher der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben Kummer gewohnt bin, wenn es um eine faire Behandlung religiöser Minderheiten durch die Medien geht, habe ich selten ein derart rücksichtsloses Kamerateam wie das von der "Monitor"-Redaktion erlebt: - Es ist rücksichtslos, sich mit einer Kamera unangemeldet vor Klinikeingängen zu postieren und zwei Stunden lang eine Schule in eine Art Belagerungszustand zu versetzen. Keiner kann mehr hinein oder heraus, ohne von der Kamera festgehalten zu werden. Der Tatbestand der Nötigung setzt nicht unbedingt physische Gewalt voraus, sondern kann auch durch psychischen Druck erfolgen. Ich habe Herrn Zeidler, der mit dem Kamerateam vor Ort war, telefonisch auf die unhaltbare Situation hingewiesen und mir schnoddrige Ausreden anhören müssen. – Es ist rücksichtslos und geschäftsschädigend, eine Marktverkäuferin mit der Kamera ("wie mit einer Knarre" – so die Verkäuferin) buchstäblich zu überfallen, sie hautnah zu filmen und mit dem Mikrofon zu bedrängen und anschließend die Kunden zu befragen, warum sie hier einkaufen und ob sie wüssten, dass es sich um eine "Sekte" handle. Hier wird massiv diskriminiert und aus religiösen Gründen Geschäftsschädigung betrieben – man könnte fast an finstere Zeiten deutscher Vergangenheit denken. - Es ist ein öffentliches Ärgernis, dass eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt einen Fernsehbeitrag über eine religiöse Minderheit in Begleitung eines evangelisch-lutherischen Pfarrers produziert, der als sogenannter Sektenbeauftragter dafür bezahlt wird, Andersgläubige niederzumachen, und der durch seine massiven Ehrabschneidungen ortsbekannt ist. - Es ist ein Verstoß gegen das Rundfunkgesetz, dass es den kirchlich inspirierten Frontkämpfern des WDR offensichtlich nicht um die Wahrheit, sondern lediglich um eine reißerische Story über eine von den Kirchen als "Sekte" verunglimpfte Glaubensgemeinschaft geht, denn positive Äußerungen von Bürgern und Nachbarn über die Anhänger dieser Gemeinschaft, insbesondere die Schule, kommen gar nicht erst vors Mikrofon, sondern werden ersichtlich ignoriert. Vermutlich werden Ihre Mitarbeiter dies alles abstreiten; und vermutlich werden sie von Ihnen oder Ihrem Justitiar mir gegenüber in Schutz genommen werden. Andererseits sind Sie, sehr geehrter Herr Pleitgen, ja nicht nur der Verwaltungschef Ihrer Anstalt – einer öffentlich-rechtlichen noch dazu -, sondern auch ein erfahrener und angesehener Journalist, bei dem ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, dass er diese Methoden wirklich billigt. Vielleicht können Sie dies nach außen nicht zugeben, aber wenigstens nach innen dafür Sorge tragen, dass der WDR sich nicht dazu hergibt, zum Sprachrohr kirchlicher Volksaufwiegler gegen unbescholtene Bürger zu fungieren. Die Religionsfreiheit ist ein kostbares Gut. Sie ist in Deutschland inzwischen erneut gefährdet. Damit Sie sehen, wie sehr, darf ich Sie höflich bitten, anliegende Korrespondenz mit Ihrem Haus durchzusehen, und dafür zu sorgen, dass in dem bevorstehenden Fernsehbeitrag über das Universelle Leben die gesetzlichen Programmgrundsätze des WDR beachtet werden. Bekanntlich heißt es dort nicht, man solle den Glauben religiöser Minderheiten in Verruf bringen, sondern man solle "die Achtung vor Glauben und Meinung anderer stärken". Ich hoffe, dass Sie, sehr geehrter Herr Pleitgen, als Intendant und freiheitlich denkender Journalist für meine Bitte Verständnis haben und mein Anliegen nicht bürokratisch abwimmeln. Mit freundlichen Grüßen Dr. Sailer |