Dr. jur. Christian Sailer
Dr. jur. Gert-Joachim Hetzel

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Rechtsanwälte

 

Dr. Sailer, Dr. Hetzel - Max-Braun-Str. 2 - 97828 Marktheidenfeld-Altfeld

Westdeutscher Rundfunk Köln
Redaktion: "Monitor"
zu Hd. Herrn Volker Happe
Appellhofplatz 1

50667 Köln
Per Telefax voraus: 0221/220-2785

13. Mai 2005
s-h

Universelles Leben
hier: Filmaufnahmen in Marktheidenfeld, Würzburg und Greußenheim

 

Sehr geehrter Herr Happe,

zwischenzeitlich waren Sie mit Ihrem Kamerateam ja bereits vor Ort und lieferten eine erste Visitenkarte Ihrer Arbeit ab:

- Die Schule konnte stundenlang niemand mehr betreten oder verlassen, der nicht von Ihrer Kamera festgehalten worden wäre. Diese Art von Belagerung grenzt an Nötigung.

- Als Fremdenführer hatten Sie sich einen Pfarrer ausgesucht, der sich seit Jahren durch Ehrabschneidungen gegenüber dem Universellen Leben profiliert.

- Ähnliches gilt für den Journalisten Tilman Toepfer, der Ihr Team in Greußenheim führte. Er fungiert als Weltanschauungsbeauftragter der den Kirchen willfährigen Main Post und tut sich seit Jahren durch hämische und aggressive Artikel gegenüber den Anhängern der Glaubensgemeinschaft hervor.

- Und wenn Ihr Team bei Fragen gegenüber Nachbarn Positives erfuhr, wurde dies nicht aufgenommen.

Die Schlagseite Ihrer Sendung ist somit bereits jetzt offensichtlich. Insofern erscheint mir die Beantwortung Ihrer Fragen fast sinnlos. Offenbar ging es Ihnen bei Ihrem Telefax vom 11.5.2005 nur um eine Alibiaktion, wobei Sie übersehen, dass ich selbstverständlich auch zu den Äußerungen Ihrer Eideshelfer Fragner und Toepfer Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten müsste. Das selbe gilt natürlich auch für die "Informationen", die Sie von Herrn Hitziger erhielten, der Sie durch Würzburg führte und mit Ihrem Team vor dem Laden der Firma Lebe Gesund auftauchte – übrigens eine der festen Stationen der sich einfallslos wiederholenden Prozessionen kirchlich inspirierter Fernsehproduktionen: von der Klinik über die Schule, das Einkaufsland, Gut Greußenheim, zum Marktstand bzw. Laden von Lebe Gesund und am Ende zum Haus des Universellen Lebens am Haugerring.

Gleichwohl will ich Ihnen einstweilen Ihre Fragen vom 11.5.2005 nachfolgend stichwortartig beantworten:

Zu 1.:
Da die Glaubensgemeinschaft Universelles Leben, die an das Urchristentum anknüpft und deshalb im Gegensatz zu den Kirchen bewusst auf feste Mitgliedschaften verzichtet, ist die Zahl der "Anhänger", nach der Sie fragen, nicht bekannt. Deshalb ist auch der immer wieder verwendete Begriff der "Aussteiger" falsch – genauso wie deren Aussagen. Die Glaubenslehre wird durch Bücher, Radiosendungen und Veranstaltungen vermittelt. Es gibt Menschen, die lesen nur die Bücher oder hören die Radiosendungen, während andere auch die Veranstaltungen besuchen, die im In- und Ausland an den Orten urchristlicher Begegnung stattfinden. Ein paar Hundert Anhänger der Gemeinschaft haben sich in der Umgebung von Würzburg zusammengetan, um miteinander zu leben und zu arbeiten, wie bereits in meinem Telefax vom 11.5.2005 er-wähnt.

Zu 2.:
Der Glaube des Universellen Lebens knüpft an die Lehre des Jesus von Nazareth an, deren Herzstück die Bergpredigt ist und die nichts mit kirchlichen Dogmen und Riten zu tun hat.

Durch das göttlich-prophetische Wort für die Jetztzeit, vermittelt durch Gabriele, wurde die ursprüngliche Lehre des Nazareners erneut in den Mittelpunkt gerückt und zur Grundlage der urchristlichen Glaubensgemeinschaft Universelles Leben. In ihr wird ein Innerer Weg zu Gott gelehrt. Wer diesen Weg geht, ist sich bewusst, dass er auf Erden ist, um sich im täglichen Umgang mit seinen Mitmenschen selbst zu erkennen und seine Fehler zu überwinden, um wieder zu Gott zurückzukehren und in der ewigen Heimat mit Ihm eins zu werden. Gott ist der Allgeist im Makrokosmos und im Mikrokosmos, und zugleich der liebende Vater aller Menschen, der niemanden ewig verdammt. Wer die Lehre des Nazareners ernst nimmt, ist nicht nur bemüht, mit seinen Mitmenschen Frieden zu schließen, sondern auch mit Natur und Tieren. Das Gebot "Du sollst nicht töten" gilt nach der Überzeugung der Urchristen nicht nur unter den Menschen, sondern auch gegenüber den Tieren. Deshalb leben die Anhänger der Glaubensgemeinschaft vegetarisch und setzen sich besonders für den Schutz der Tiere ein.

Zu 3.:
Was soll man darauf antworten, wenn man nicht mit Tatsachen konfrontiert, sondern mit Hilfe eines Werturteils beschimpft wird, wie dies mit Formulierungen wie "gefährliche Sekte" oder "totalitäre Züge" geschieht?

Vielleicht darf ich zur Verdeutlichung für einen Moment den Spieß umkehren und eine analoge Frage formulieren: "Was sagen Sie zu immer wieder geäußerten Vorwürfen Ihrer Kritiker, die Redaktion von 'Monitor' bestehe aus 'Schmierenjournalisten', die Vernichtungskritik mit Journalismus verwechseln?"

Sie würden mir vermutlich entgegenhalten, dass dies nicht zutreffe. Gut. Aber Sie könnten den Gegenbeweis nicht führen, weil es sich um ein Werturteil handelt. Sie könnten mich allenfalls darauf hinweisen, dass von "Schmierenjournalismus" oft Leute sprechen, die von der Pressefreiheit nichts halten. Genauso ist es mit dem Schimpfwort "gefährliche Sekte": Es stammt von Leuten, insbesondere sogenannten Sektenbeauftragten, die von Religionsfreiheit nichts halten und andere als "totalitär" bezeichnen, um von ihrem eigenen Totalitarismus abzulenken – man denke nur an die Unfehlbarkeit des Papstes, an die Drohungen mit ewigen Sündenstrafen im Falle von Kirchenaustritten und ähnliches mehr, bis hin zu heute noch gültigen Kirchendokumenten, in denen vorgeschrieben wird, "alles 'auszumerzen', was gegen den römisch-katholischen Glauben ist."

Nur so ist der Rufmord zu verstehen, der seit Jahren von Kirchenfunktionären gegen Anhänger des Universellen Lebens betrieben wird und der dann von Journalisten übernommen wird, die sich den Kirchen verpflichtet fühlen oder einfach eine flotte "Sekten-Story" kredenzen wollen. Welch unzulässiger Unsinn hierbei verbreitet wird, mögen Sie anliegender Zusammenstellung einiger Gerichtsentscheidungen entnehmen. Wie Sie daraus auch ersehen können, handelt es sich beim Universellen Leben um eine Religionsgemeinschaft im Sinne der Verfassung (so der Bayerische Verwaltungsgerichtshof), weshalb ich Sie bitte, den Begriff "Sekte" nicht zu verwenden.

Zu 4.:
Die genannten Firmen wurden von Anhängern der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben gegründet. Diese ist daran nicht beteiligt. Im übrigen: Wäre das so schlimm? Auf mein Telefax vom 11.5.2005 darf ich Bezug nehmen.

Zu 5.:
Die Einnahmen der genannten Firmen kommen diesen zugute als Gewinne, die teils reinvestiert, teils ausgeschüttet werden. Das Universelle Leben selbst lebt ausschließlich von Spenden.

Zu 6.:
Die Firmen, die von Anhängern der Glaubensgemeinschaft gegründet wurden, um darin gemeinsam zu arbeiten und den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, sind nicht erstarrt. Deshalb gibt es dort wie überall im Wirtschaftsleben selbstverständlich auch immer wieder Veränderungen der Gesellschaftsstruktur.

Für Einzelheiten bin ich nicht zuständig. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Sie von einem Vertreter dieser Firmen erwarten würden, dass er Ihnen jetzt aufzählt, welche Gesellschafter ausgeschieden und welche Gesellschafter eingetreten sind. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass hieran ein vernünftiges journalistisches Interesse besteht.

Zu 7.:
Der Begriff "Christusbetriebe" ist entstanden, weil die Gründer dieser Betriebe – Bauernhöfe, Handwerksbetriebe, Seniorenheime, Kindergärten etc. – in diesen Betrieben ihre urchristlichen Ideale verwirklichen wollten und wollen.

Zu 8.:
Es gibt einen Verein der Mitarbeiter in Christusbetrieben, der Hauptgesellschafter mehrerer Betriebe ist. Es versteht sich, dass in diesem Mitarbeiterverein nicht vorübergehend in den Betrieben Beschäftigte oder fernab wohnende Anhänger der Glaubensgemeinschaft Mitglieder sind, sondern diejenigen Urchristen, die sich in der Umgebung von Würzburg zum gemeinsamen Leben und Arbeiten zusammengetan haben und in diesen Betrieben arbeiten.

Zu 9.:
Der Anteil der Firmen Gut zum Leben und Lebe Gesund bzw. Hin zur Natur "am süddeutschen bzw. gesamtdeutschen Markt der Bioprodukte" ist mir nicht bekannt. Ich hoffe, dass er nicht allzu gering ist, denn es handelt sich um vegetarische Lebensmittel, die nicht nur bekömmlich, sondern auch sehr gesund sind.

Wegen einer "Drehgenehmigung für Einrichtungen der unter Ziff.4 aufgeführten Firmen" hätten Sie sich an diese wenden müssen. Nach den eingangs geschilderten Erfahrungen mit Ihrem Kamerateam muss ich Ihnen im Namen dieser Firmen jedoch mitteilen, dass niemand bereit ist, sich von einem Kamerateam ablichten zu lassen, das sich unangemeldet vor Klinikeingängen postiert und nach Paparazzi-Manier Kindern auflauert.

Da inzwischen klar wurde, wie einseitig die Zielrichtung Ihrer sogenannten Recherchen ist, und welche Schlagseite der Fernsehbeitrag haben wird, den Sie gegenwärtig produzieren, bitte ich Sie auch, davon Abstand zu nehmen, Klinikpatienten oder andere Besucher unserer Einrichtungen zu zeigen. Ebenso bitte ich Sie, keine der religiösen Veranstaltungen der Glaubensgemeinschaft zu besuchen, auch nicht ohne Kamera. Diese Bitte ist als rechtlich verbindlich zu verstehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Sailer

 

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